Puglia 2018

17.5.18…..Heute habe ich die Reiseunterlagen bekommen… Es geht definitiv am 2.6.18 los! Der Koffer ist gepackt und mir schwirren schon einige Gedanken im Kopf herum… Alles eingepackt, nun gehts los. Am Flughafen Hannover gibt es ein paar Schwierigkeiten. Die Check-in Schalter für die Economy sind geöffnet, drei an der Zahl. An allen stehen Problemfälle, bei denen es wegen Datenübertragungsfehlern oder sonst etwas Probleme gibt. Ein Schalter wird frei, die Dame der Lufthansa schließt allerdings diesen Schalter und verschwindet zum Schalter für die First Class. Da steht zwar keiner, aber macht nichts, dann ist halt dort ein weiterer Schalter geöffnet. Unmittelbar danach, die Schlange hat sich weiter vergrößert, schließt die zweite Dame ihren Schalter. Der Unmut der in der nun schon recht langen Schlange ist unüberhörbar. Auch diese Dame verschwindet Richtung First Class um dort die Abfertigung der nicht vorhandenen Fluggäste zu beschleunigen. Dann endlich machen sich zwei Damen von der First-Class mit atemberaubender Langsamkeit auf und erbarmen sich der Fluggäste aus den niederen Rängen… Es geht also offensichtlich weiter. Der Sarkasmus in dem leichten Applaus der Fluggäste für die Schalteröffnung lässt sich mit Händen greifen. Das Boarding verzögert sich dann etwas, aber dann sind wir endlich an Bord des Airbus A320-200 und eigentlich kann es jetzt losgehen. Nix da… so einfach machen wir es nicht! Ein Flug nach Frankfurt ist ausgefallen und einige dieser armen Seelen sollen nun nach München mitfliegen. Warum man ausgerechnet Fluggäste nach Frankfurt nach München umbucht…. Endlich mit mittlerweile 30 Minuten Verspätung heben wir ab Richtung Süden. Nach knapp 50 Minuten Flug, teilweise auf schlechten Wegen, es rüttelt ordentlich, kommen wir in München bei schönstem Sonnenschein an. Schnell zum Gate 70 um den Flug der Air Dolomiti Richtung Bari nicht zu verpassen. Dort angekommen stellen wir fest, das sich dieser Flug um fast 50 Minuten verspätet. Irgendwie ist wohl heute der Wurm im europäischen Luftverkehr. Fluggäste aus Düsseldorf sind schon seit 10 Stunden unterwegs und erst bis München gekommen…Nun gut, auch her in München gehts dann mal weiter und der Flieger hebt ab und macht sich auf den Weg nach Bari. Er steigt hoch in die Wolken, es schüttelt und wir müssen angeschnallt bleiben. Irgendwo vor mir quäkt ein Kind… Mir fällt ein, das meine Ohrenstöpsel gut verstaut im Koffer unter mir im Frachtraum der Embraer liegen. Da helfen sie mir ganz wenig, nutzen sich aber auch nicht ab. Nach einer halben Stunde reisst unter uns die Wolkendecke auf und wir könne zur Linken die kroatische Küste und zur Rechten die Italienische Küste sehen. Venedig leider nicht, Das war noch unter den Wolken verborgen als wir drüber geflogen sind. Eine Stunde später als wir eigentlich in Bari landen wollten, schwenken wir in die Einflugschneise des Flughafen Bari „Karol Woityla“ ein. DSC_0334Nur um kurz danach eine feine Runde über den Platz zu drehen… Anscheinend war irgendetwas im Cockpit ausgefallen… Endlich gelandet geht es dann mit einem kleinen Bus auf sehr engen Sitzen ins Hotel….1 Stunde 45 Minuten später stehen wir verschwitzt an der Rezeption des „Tenuta Moreno“ unserer Herberge für die nächsten Tage. Ein nobler Schuppen, für meine Geschmack etwas zu nobel, aber was solls, bezahlt ist bezahlt. Zum Glück gibt es noch etwas leckeres zu essen und danach in schönes Nastro Azurro… Und dann ab unter die Dusche. Morgen um 9:00 gehts weiter….

Lecce

Morgens Frühstück auf der Terrasse des Hotels… Latte Macchiato und Cornetti… Was kann es schöneres geben? Es schmeckt wunderbar und ich fühle mich gleich etwas zu Hause. Um 9:00 fahren wir mit unserem Bus, gesteuert von Luigi, Richtung Lecce auf. Lecce ist die Provinzhauptstadt. Ein schöner barocker Kern lädt zum flanieren und besichtigen ein. Überall wirkt es aufgeräumt und gepflegt. Die Stadt ist sehr jung, viele junge Menschen sind unterwegs und vor allem, man sieht Radfahrer… Für Süditalien recht ungewöhnlich. Es hat wohl viel damit zu tun, das es sich um eine Universitätsstadt handelt. Unzählige Paläste, Kirchen und Piazzi gilt es zu erkunden. Daneben laden kleine Geschäfte und  Bars zum stöbern und schlemmen ein. In einer Nebenstraße direkt an der Piazza Sant’Oronzo gibt es eine wunderbare Eisdiele „Natale“. Angeblich das beste Eis Italiens… Es schmeckt himmlisch Una Coppa Medio Fragola e Frutti di Bosco…. Ein Genuss. Zum Imbiss am Mittag gibt es ein Panini mit Käse und Tomaten… Warm. Dazu ein Birra Moretti. Danach geht es zur Abbazia Santa Maria di Cerrate. Eine ehemalige, leider etwas heruntergekommenen, Abtei an der Adriaküste zwischen Brindisi und Lecce. Hier erklärt uns ein Mitglied der italienische Umweltschutzorganisation FAI, die sich auch um Kulturdenkmäler kümmert, wie sie die Abtei restauriert haben. Eine großartige Leistung. Die alten Fresken aus dem 12. und 13. Jahrhundert wurden freigelegt und teilweise wieder hergestellt. Die darüberliegenden wurden nicht nur einfach entfernt, sondern auch restauriert und sind jetzt in einem anderen Raum der Abtei zu bewundern. Ein barocker Altar, der erst in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts zerschlagen und weggeräumt wurde, die Abtei wurde als landwirtschaftliches Lagerhaus benutzt, wird wieder aufgebaut. Ein wahres Prachtstück was die Restauratoren hier in mühevoller Kleinarbeit wieder auferstehen lassen.  Auffällig ist hier der Zustand der Straßen. Da ist es bei uns in Hannover genauso schlimm. Vieles liegt im Argen, Apulien ist eine zwar durch die Landwirtschaft geprägte Gegend Italiens. Es gibt außer einer Traktorenfabrik nur etwas Chemie- und petrochemische Industrie. Aber trotzdem strebt dieser Teil Italiens aufwärts und das ist Allerorten zu merken. Vor 20 Jahren soll es hier noch viel schlimmer ausgesehen haben. Auch ist der Einfluss der Mafia zurückgedrängt worden. Dazu aber später mehr.  Wieder im Hotel angekommen dröhnt vom Poolbereich Musik herüber, möglicherweise ist dort eine Mörderparty im Gange. Es ist die Sonntagabendpoolparty. Ohrenbetäubender Lärm schallt einem beim Betreten des Bereichs entgegen. Der Schalldruck aus den Lautsprechern lässt einen förmlich zurücktaumeln. Ich gehe lieber ins Hotel. Una Birra Moretti ist jetzt die bessere Wahl. Das Essen ist heute was besonderes, als Antipasti gibt es Schinken, verschiedene Sorten und Mozzarella. Als ersten Gang dann Tortiglione mit Ricotta und Spinat gefüllt, als Secondi dann Rindfleisch auf Kartoffelpüree… gut, das hätte ich besser gekonnt. Das Pü war etwas wässerig, etwas Milch, Butter und Muskatnuß hätte ihm gut zu Gesicht gestanden. Werde mal mit dem Patrone di Cucina ein ernstes Wort reden. Aber erst am Tag der Abfahrt, wenn ich dann in den abfahrbereiten Bus flüchten kann. Apulische Messser sind scharf! Zu dem ganzen Essen gibts lecker Wein oder noch ein Birra. Als Dolci bekommen wir Eis und frisches Obst….Meine Tischnachbarin war schon nach dem Eis satt…habs leider zu spät bemerkt. Aber ab morgen….doppelte Portion! Mit dem vielen Essen im Bauch und 2 Bier im Kopf schläft es sich herrlich bis um 6:30. Da ist das Gezwitscher der Vögel nicht mehr zu ignorieren. Ein ganz spezieller Sangeskünstler ist aus dem ganzen Konzert herauszuhören. Er macht nur ein Geräusch ähnlich eines Warntons eines Rauchmelders dessen Batterie leer ist. Im Sekundentakt…Püp…Püp…Püp… Erst dachte ich, es hätte etwas damit zu tun, das ich spät in der Nacht noch auf die Terrasse gegangen bin und irgendeinen Alarm ausgelöst habe. Aber am Morgen hörte ich Ihn auch wieder…. Mal schauen was für ein Geselle das ist….

Otranto

Heute geht es nach Otranto. Eine alte Festungsstadt südlich von Brindisi. Eineinhalb Stunden fahren wir entlang der Küste Richtung Süden. Entlang nicht enden wollender Olivenhaine. Otranto selbst ist eine wunderschöne kleine und verschlafenen Stadt am Meer mit einer Basilika die ein grandioses Mosaik vorzuweisen hat. Millionen kleiner Marmorsteine sind vor Jahrhunderten von fleißigen Händen in den Mörtel der Kirche Santa Maria Annunciata gedrückt worden und erzählen in schönsten Bildern biblische Geschichten. Eine gigantische Arbeit, die den gesamten Fußboden der Kirche einnimmt. Aus der Kühle der Kirche treten wir wieder in das gleißende Sonnenlicht und wandern durch die Gassen der Stadt und erfahren einiges über die wechselvolle Geschichte der Stadt. Eroberungen, Rückeroberungen, Festungsbau und auch über das viele Blut, das in der großen Zahl von Kriegen, die hier stattfanden, geflossen ist. Auch über die Flüchtlinge aus Albanien, die nach dem Fall des eisernen Vorhanges hier Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre mit klapprigen alten Booten und schwierigsten Bedingungen ankamen und aufgenommen worden. Eines dieser Boote liegt im Hafenbereich an Land und ist zu einem Denkmal umgestaltet worden. Mittags sitzen wir am Strand in der Bar al Mole und genießen ein schönes kaltes Bier und ein Panini. Danach schlendern wir durch die Stadt und genießen die kleinen Läden, in denen auch einiges erstanden wird. Was wird nicht verraten….Der Rückweg führt uns weiter an der Küste entlang auf kurvigen Straße und an alten Wachtürmen vorbei nach Süden bis zun kleinen Ort Castro. Ein kleiner verträumter Badeort weiter im Süden am Übergang von der Adria zum Ionischen Meer. Die Wachtürme wurden in grauer Vorzeit erbaut um die Küste vor den lüsternen Völkern aus dem Osten zu schützen. Ähnlich dem Limes stehen die Türme in Sichtweite um bei Gefahr Alarm geben zu können damit dann Truppen anrücken können um die Küste vor unerwünschte Eindringlingen zu schützen. Das erinnert mich an die grauen Boote der Frontex, die im Hafen von Otranto liegen. Auch um die Küste vor unerwünschten Eindringlingen zu schützen, allerdings sind das jetzt arme Seelen, die aus purer Not zu uns kommen und uns nicht erobern oder unterjochen wollen. In Castro haben wir nochmal eine kleine Kaffeepause, bevor wir den Weg zurück nach Mesagne antreten. Bei herrlichem Sonnenschein fahren wir durch das Landesinnere Apuliens zurück in unser Hotel. Das Abendessen war heute fulminant. Zuerst einen Insalata Caprese… Mozzarella mit apulischen Tomaten, dann Gnocci mit grünem Spargel, Tintenfisch und getrockneten Tomaten, als Secondi Triancio di pesce con spada, Schwertfischsteak mit Oliven, Kapern und Tomaten… Als Dolci eine mit Vanillecreme gefüllte Blätterteigtasche… Es war ein Genuß durch und durch! Buona Notte!

Brindisi

Heute ist ein kurzer Tag. Es geht erst nach Brindisi und dann nach Mesagne. Den Rest des Tages werden wir am Pool verbringen. Der Weg nach Brindisi ist kurz. Die Stadt ist der Endpunkt der Via Appia, die die Römer weiland zur Erschließung des Landes angelegt haben. Nicht um den Warentransport zu erleichtern, sondern den Soldatentransport. Die Via Apia begann in Rom und endete hier in Brindisi am Hafen. Dort steht auch heute noch eine riesige Säule, die diesen Endpunkt symbolisiert. Der Hafen ist voller großer Segelyachten. Es findet die jährliche Regatta von Brindisi nach Korfu statt und da trifft sich einiges an Seglern mit Ihren 15m- Yachten hier im Hafen. Inclusive des ganzen Drumherums an Ausstattern etc. Ein ordentliches Gewusel wird das hier werden. Wir bummeln etwas durch die Altstadt und schauen uns den Dom an. Nach kurzer Zeit geht es weiter nach Mesagne. Dort sehen wir uns die verwinkelten Altstadtgassen an und hören viel über die Geschichte der Mafia und wie sie hier zurückgedrängt wurde. Dadurch das es nach dem feigen Mord an Borsolino und Falcone möglich war Mafiagüter ersatzlos und unwiederbringlich einzuziehen, hat man die Macht der Mafia hier gebrochen. Sie ist nicht ganz verschwunden, aber sie ist massiv geschwächt. Die konfiszierten Güter sind einer Kooperative übergeben worden, die auf diesem Land ökologischen Landbau betreibt und die Waren verkauft. In einer Niederlassung dieser Kooperative, es gibt insgesamt 9 davon, alleine 3 in Sizilien, werden wir über die Arbeit dieser Genossenschaft aufgeklärt. Wir dürfen auch die produzierten Waren verkosten. Es ist schon erstaunlich mit welcher Beharrlichkeit diese vorwiegend jungen Menschen sich der Mafia entgegen stellen und auch Erfolg haben. Es bleibt ihnen zu wünschen, das der Erfolg von Dauer ist!

Gallipoli

Heute geht es in den Westen Apuliens an das Ionische Meer. Gallipoli, die Schöne Stadt ist eine griechische Stadtgründung. Ein Hafen, mit vielen kleinen Boote und eine Altstadt liegen auf einer Insel vor der neuen Stadt. Mit einem Damm über einen kleinen Meeresarm sind beide verbunden. Wir besuchen den kleinen Fischmarkt unten im Hafen auf dem allerlei frischer Fisch und Muscheln feilgeboten werden. Wer Meeresfrüchte mag ist hier sicher gut aufgehoben. Wolfsbarsch, Dorade, Knurrhahn, Schwertfisch. Tintenfische und Garnelen aller Größen liegen hier auf Eis und warten auf hungrige Menschen. Muscheln, Miesmuscheln, Herzmuscheln, Austern und was es sonst noch so gibt, alles bereit um zubereitet zu werden. Oben in der Altstadt sind in den kleinen Bars und Restaurants all diese feinen Sachen gut und schmackhaft zubereitet zu erwerben. Ich habe allerdings nicht Gluten, dafür Meeresfrüchte. Ich mag das Zeug nicht so gerne und so sind die Sachen meiner Meinung nach gut auf dem Fischmarkt aufgehoben. Oben in der Altstadt erwartet uns ein prächtiger Dom. Hier tatsächlich nicht mit Fresken ausgestaltet sondern mit Ölgemälden. Er ist der Hl. Agatha geweiht. Einer armen Seele, die sich ob ihrer Weigerung einen heidnischen Prinzen zu heiraten ihrer Brüste verlustig gegangen ist und dafür mit der Heiligsprechung bestraft wurde. Das ganze Unheil wird auf sehr drastischen Bildern im Innern der Kirche dargestellt. Man mag sich gar nicht vorstellen, wieviele Kinder sich das während der Messe anschauen mussten und dann ihr Leben lang an Traumata leiden müssen. In den kleinen Altstadtgassen locken unzählige Geschäfte einen an und wollen das man das Geld ausgibt. Ich habs versucht, aber leider sind es nur ein paar Taralli und Kapern geworden.

Im Land der Trullis

Heute verabschieden wir uns von der Masseria in der Nähe von Mesagne und fahren in das Land der Trulli, jenen merkwürdigen Bauten auf der Murgia, einem Höhenzug der mitten in Apulien liegt. Die Trullibauten sind runde Häuser mit Zipfelmützendächern. Vollkommen ohne Mörtel gebaut und das Dach besteht aus aufeinandergeschichteten Steinen. Oben ziert dieses Dach eine Kugel, die auf einem umgedrehten Eierbecher thront. Sie soll einen Sonnenanbeter symbolisieren. Vorher geht es aber noch in die Grotten von Castelana, einer mehrere Kilometerlange Höhle mit wunderbaren Tropfsteinen. Tolle Gebilde in denen man dann teilweise Fantasiegestalten erkennen kann. Durch enge Gänge und große Hallen geht es ca 1,5 km in das Kalksteingebirge hinein. Ein sehr beeindruckendes Erlebnis. Alberobello, der „schöne Baum“, ist die Hauptstadt des Trulligebiets. Die Altstadt besteht nur aus Trullis. Wenn mnn durch die Gassen schlendert, fühlt man sich ins Schlumpfland versetzt. Wenn jetzt Papaschlumpf aus einer Tür treten würde… Innen sind die Häuser sehr klein, haben aber ihren eigenen Charme. Jeder Raum hat ein Zipfelmützendach und so können große Häuser schon mal eine ganze Menge Mützen haben. Eigentlich sind es Arme-Leute-Häuser… Weiter geht es nach Ostuni, die weiße Stadt am Rande des Trulligebietes. Wir wohnen in der Altstadt am östlichen Ende der Stadt in einem alten, zu einem Hotel umgebauten Palazzo. Gegenüber ist eine kleine Piazzetta von der man aus die Adria und auch die gegenüberliegenden Küsten von Albanien und Montenegro sehen kann. Das ist aber 80 km weit entfernt und die Adria auch noch mal 10 km…. Abends geht es noch mal in die Altstadt. Vorher gab es ein wunderbares Abendessen mit Oriechette und Tomatensauce, sowie Rinderstreifen gebraten mit Paprikagemüse. Auf der Piazza ist ordentlich was los. Alle flanieren und genießen den lauen Frühsommerabend. Alle Damen und Herren sind stilvoll und gut gekleidet. Einzig die Touristen stechen heraus mit kurzen Hosen, Turnschuhen und ähnlichem unpassenden Sachen.

Ostuni

Heute geht es ruhig zu und wir haben am Vormittag nur einen Stadtrundgang auf dem Programm. Über die drei Hügel, die die Stadt bilden wandern wir auf den östlichsten, wo die Basilika liegt. Eine Außenstelle des Erzbischofs von Bari. Durch enge Gassen geht es bergauf und bergab. Am Corso bietet sich die Möglichkeit sein sauer verdientes Geld irgendwelchen netten Italienerinnen, die schöne Dinge feilhalten, in den Rachen zu werfen. Da werden wunderbare Sachen angeboten, so werfen wir also reichlich und gerne…Abends geht es noch auf eine Masseria, die sich auf die Herstellung qualitativ hochwertigen Olivenöls spezialisiert hat. Hier werden wir in die Geheimnisse der Ölproduktion eingeweit. Ein wunderbares Abendessen mit Salsiccie und Spanferkel runden den Tag ab….

Castel del Monte

Heute geht es los Richtung Norden. 2 Stunden Fahrt zum Castel del Monte. Jener mysteriösen achteckigen Anlage, die Kaiser Friedrich II. zugeschrieben wird, dem Enkel Kaiser Barbarossas. Genau weiß man’s nicht. Aber das stört uns erstmal nicht. Bald sehen wir das Monument in der ferne leuchten. Von der Sonne angestrahlt steht es oben auf einem Berg. Zum Glück ist es noch relativ leer und wir können uns ohne Gedrängel in diesem Bauwerk umschauen. Achteckig ist hier alles. Der Grundriss, die Türme. Die Innenräume sind nicht ausgestattet und man weiß noch nicht einmal, ob sie jemals eingerichtet waren. Ebenso wenig wie man weiß, ob jemals jemand in dem Gebäude gewohnt hat. Beeindruckend ist die Architektur aber trotzdem. Ein Rundgang durch die Räume zeigt uns die architektonische Kunstfertigkeit der damaligen Zeit. es ist ein absolut beeindruckendes Monument, obwohl der Sinn des Bauwerkes nicht ganz klar ist. Danach geht es nach Trani, unten an der Adria. Es gibt ein wunderbares Menü in einer kleinen Trattoria im Herzen der Altstadt. Wir werden mit Muscheln, nicht mein Fall, marinierten Sardinen, schmeckt wie unser Bismarckhering und Bruscetta als Antipasti verwöhnt. Dann gibt es noch Zackenbarschfilet, Limonensorbet und Kuchen mit frischen Kirschen. Das ganze wird durch einen Espresso abgerundet. Mit vollem Bauch und etwas schweren Füßen durch den Vino bianco gehen wir noch etwas durch die Stadt und schauen uns die Kathedrale an. Dort wird gerade eine Hochzeit vorbereitet. Zum Glück haben wir noch etwas Zeit und können die Ankunft der Hochzeitsgäste miterleben. Die Damen und auch die Herren sind absolut sehenswert. Davon können wir Deutsche uns eine gewaltige Scheibe abschneiden. Auch wenn man abends durch den Ort flaniert, ist es immer sehenswert, was sich dort aufhält. Abends haben wir frei und schauen uns etwas in der Altstadt um. Ein Spritz, ein bisschen Pizza und ein Gelato runden den wunderschönen Tag ab.

Matera

Heute steht ein extra Ausflug an. In die Kulturhauptstadt des Jahres Matera. Jene außergewöhnliche Stadt, in der fast jedes Haus eigentlich eine Höhle ist. Vorne ist eine vorgemauerte Fassade mit Tür und Fenster. Dahinter erstrecken sich die Wohnräume, die in den Felsen geschlagen sind. Es ist Muschelkalk, der also nicht so wahnsinnig fest ist, aber es bedeutet doch eine gewaltige Arbeit. Bis in die 50er Jahre wurden diese Höhlen bewohnt und erst dann wurden die Bewohner, übrigens bettelarme Menschen, die ein außerordentlich beschwerliches Leben führten, in Wohnungen am Rande der Stadt oben auf dem Berg umgesiedelt. Danach verfielen die Wohnhöhlen und erst in den letzten Jahren wurde begonnen, diese Relikte zu sanieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Treppauf und treppab geht es auf verschlungen Wegen durch die engen Gassen. In einem Ristorante kehren wir zum Mittag ein und werden mit einer Unmenge an Antipasti verwöhnt. Da biegt sich der Tisch unter der Last der Speisen…Es ist eine wahre Pracht und ich möchte hier nicht mehr raus. Als Lektüre für die Zeit zu Hause habe ich mir Carlo Livis „Christus kam nur bis Eboli“ vorgenommen. Ich hatte es als Jugendlicher schon mal gelesen, es sprach mich aber damals nicht so an. Aber da sich das Buch mit den Zuständen nicht nur alleine hier in Matera befasst, habe ich jetzt einen anderen Bezug dazu.

Bari

Unser letzter Tag. Heute fahren wir in die Stadt des Heiligen Nikolaus. Jedenfalls wird behauptet, das in der Krypta Basilika San Nicola die Gebeine des Hl. Nikolaus liegen sollen, die in grauer Vorzeit von einem Kirchenmann geklaut und dann dorthin verbracht worden sind. Es ist ein Mordsauftrieb vor und in der Basilika. Einsam vor der Treppe steht ein alter Fiat Cinquecento… schön geschmückt, als wenn er auf ein Brautpaar warten würde. Aus dem Innern der Basilika dringt Musik… Ah, eine Hochzeit. Im Sommer, so habe ich den Eindruck, ist die Lieblingsbeschäftigung der Italiener das Heiraten. In fast jeder Kirche in der wir waren, sei es in Sizilien oder hier in Apulien, wurde gerade eine Hochzeit gefeiert, war eine gerade zu Ende gegangen oder es wurden Vorbereitungen für eine getroffen. Ich warte draußen, bis die Hochzeit zu ende ist. Es ist eine Unsitte das die Touristen keinerlei Rücksicht nehmen und einfach in die Kirche strömen und sich das Bauwerk während der Zeremonie anschauen. Hier an der Basilika San Nicolo war gerade eine Gruppe Osteuropäer zu Gange… Nach dem Ende der Feier können wir uns in aller Ruhe das Gotteshaus anschauen. Besonders beeindruckt haben mich in der kühlen Krypta die vielen Säulen, die die Decke tragen. Man könnte den Eindruck haben, jede sei anders. Zum Glück respektieren hier alle die Bitte um Ruhe und so kann man mal einen Moment vor der Hektik und auch der Hitze entfliehen und das Bauwerk genießen. Am Nachmitag haben wir dann frei und beschäftigen uns mit dem Gedanken an die Heimreise. Nuja, ich nicht so ganz, fahre ich doch noch für 5 Tage nach Santa Lucia, ans Meer…Da freue ich mich schon drauf. Mal Italien einfach so genießen.

Leider gingen diese Tage auch sehr schnell vorüber, und die endgültige Heimreise steht vor der Tür. Ich hatte in den Tagen in Santa Lucia nochmal einen Tag in Ostuni verbracht und ein paar Dinge gekauft, ein wunderbares Paninno gegessen, und mich tatsächlich mit Italienern unterhalten. Erstaunlich, das die mich verstanden haben, jedenfalls glaube ich das.. Oben auf dem Hügel mit der Basilika gibt es ein kleines Cafe in dem man Granita und andere Dolci kaufen kann. Selbstredend habe ich diesem Laden einen Besuch abgestattet. Da ich in der Masseria auch wieder Halbpension gebucht hatte und mir über Mittag der Magen etwas knurrte habe ich mich auf die Suche nach einer Einkaufsmöglichkeit in Santa Lucia gemacht. Im Ort selber gab es nur einen kleine Kiosk mit Getränken und Eis. Am Rand des Ortes war aber ein großer Campingplatz, da konnte man einkaufen. Auch das war ein Erlebnis für mich, war ich dort doch ganz und gar auf meine Italienischkenntnisse angewiesen. Die Leute waren alle sowas von nett und freundlich. Ich bin jeden Tag hingegangen. Pannini, Pomodiri, Formaggio und Prosciutto, dazu etwas zu trinken und zu knabbern. In Ostuni war ich dann noch beim Friseur und habe mir den Bart schneiden lassen. Ein kleiner Laden in einer Seitenstraße der Piazza della Liberta, auf dem Corso Guiseppe Mazzini, liegt Uomo Idea, eine kleiner Laden, wo ein Parrucchiere seinen Geschäften nachgeht. Das Geschäft ist in die Chiesa San Francesco gebaut. Die Straße ist etwas abschüssig und die Kirche liegt etwas erhöht über der Piazza, somit ist Platz für den kleinen Laden. Ich bin rein und habe mir den Bart kürzen lassen. Wir haben uns fast eine halbe Stunde unterhalten, während er meine Gesichtsbehaarung auf Vordermann gebracht hat. Eine wunderbar entspannende halbe Stunde. Danach bin ich nochmal in das Getümmel der Gassen und habe ein paar schöne Sachen für meine Freundin gesucht und gefunden. Nach einem Stück Pizza, Wasser und hinterher einem Espresso an der Bar bin ich wieder nach Santa Lucia. Der Tag der Abreise nahte nun endgültig. Am nächsten Morgen holte mich dann ein Taxi ab und wir fuhren fast eineinhalb Stunden nach Bari zum Flughafen. Im Gepäck viele Köstlickeiten und im Kopf viele wunderbare Eindrücke aus diesem schönen Teil Italiens…