Anreise
Morgens um 4:30 steht das Taxi vor der Tür. Leicht verschlafen, aber trotzdem mit einiger Aufregung geht’s zum Flughafen. Um 5:00 ist es noch leer im Abfertigungsgebäude. Der Check-in Richtung Palermo via München geht recht schnell. Das wäre schon mal geschafft. Um 5:30 stehe ich im Nacktscanner. Anschließend muss ich noch mal meine Stiefel ausziehen, die müssen noch mal extra durchleuchtet werden. So weit sind die Scanner wohl doch noch nicht. Mittlerweile habe ich noch eine Mitreisende getroffen, nennen wir sie einfach mal Christine, die auch an der Rundreise teilnimmt. Auch sie ist etwas aufgeregt, ob dessen was uns in Palermo erwartet. Aber erst mal geht’s nach München. Die Umsteigezeit von Flug zu Flug beträgt etwas mehr als 50 Minuten und das bei diesem Riesen-Flughafen. Der Flieger hebt in Hannover bei trüben Wetter pünktlich ab. Die Wolkendecke wird durchflogen und dann ist da auf einmal strahlender Sonnenschein. Die Sonne ist hier oben gerade aufgegangen und uns bietet sich ein toller Ausblick. Es geht Richtung Süden und die Wolken unter uns reißen auf und geben einen wunderbaren Blick auf die langsam unter uns vorbeiziehende Landschaft frei. Der Flughafen München ist nach einer knappen Stunde erreicht, es bleibt gerade Zeit für den Snack und den Kaffee. Dann heißt es flitzen. Wo müssen wir hin? Ohjeh ganz ans andere Ende, weiter geht’s kaum. Aber dank der Untergrundbahn unter dem Flughafen geht das doch innerhalb einer knappen halben Stunde und somit sind wir kurz vor Öffnung des Gates am passenden Flugsteig. In der Reihe steht ein Pärchen, ausweislich des Kofferanhängers, auch Teilnehmer der Reise. Wollen wir sie mal Katrin und Peter nennen. Wir kommen ins Gespräch und innerhalb kürzester Zeit wissen wir, das es ein toller Urlaub wird und wir viel Spaß haben werden. Komisch, wie schnell man merkt ob man mit jemandem kann, oder nicht. Ich denke, auch jetzt noch, wir haben uns nicht getäuscht.
Der Flug startet mit etwas Verspätung, aber das ist uns jetzt egal, und wir fliegen über die Alpen. Unter uns liegen Wolken und erst weiter im Süden sollen sie ganz verschwinden. Vorerst begleiten sie uns noch etwas, lockern aber zusehends auf und geben ab und an den Blick auf die Berge und Täler der Alpen frei. Dann liegt unten Venedig, ein schöner Anblick. Es geht über den Apennin und dann weiter hinaus aufs Mittelmeer. Mittlerweile sind es nur ein ganz paar kleine Schäfchenwolken die unter uns durchziehen. Das Mittelmeer liegt wie ein blauer Spiegel da. Nur leichte Wellen sind zu sehen. Ein Segelschiff kreuzt unseren Kurs. Die Segel sind gebläht und es macht ohne viel Krängung gute Fahrt mit raumen Wind. Nach etwa 2 Stunden geht das Flugzeug runter und dreht etwas nach Westen ab.
Die sizilianische Küste kommt in Sicht und wir sinken weiter. Berge ziehen unmittelbar an den Flügelspitzen vorbei und man kann die Landschaft genießen. Es ist alles etwas braun und schaut trocken aus…Aber dieser erste Anblick begeistert mich sofort und ich weiß, das ich hier auf jeden Fall noch mal herkommen werde! Direkt vor uns muss der Aeroporto di Palermo „Falcone e Borsellino“ liegen. Ich kann aber nur die parallel dazu verlaufende Autobahn sehen. Die Landebahn zeigt sich unter uns, wir setzen auf. Ciao, Sicilia! Wir sind am ersten Ziel der Reise angekommen…
Das Flugzeug rollt aus und bleibt vor der Ankunfthalle stehen. Nachdem wir ausgestiegen sind müssen wir noch eine Weile auf unsere Habseligkeiten warten. Die Aufregung steigt etwas, was wir uns draußen erwarten? Da! Die ersten unserer Koffer kommen über das Gepäckband. Gleich gehts nach draußen…
In der Halle steht, sofort am hochgehaltenen Schild erkennbar, unsere Reiseführerin. Wir nennen sie einfach mal Frau M. aus M. Eine lustige Frau mittleren Alters mit blonden Haaren, die etwas wild um den Kopf drapiert sind. Wir sind nicht die Ersten aus unserer Gruppe, aber auch nicht die Letzten. Gemeinsam gehten wir raus zu unserem Bus. Dort erwartet uns und unser Gepäck unser Fahrer Andrea, der uns die nächsten Tage begleiten und fahren wird.
Er nimmt unser Gepäck entgegen und verstaut es im Bus. Dies ist für die nächsten Tage das letzte mal,das wir den Koffer über eine längere Strecke haben ziehen oder tragen müssen. Das ist auch gut so, denn es ist mächtig warm. Mir als kältegewohntem Norddeutschen läuft der Schweiß schon ordentlich am Rücken runter. Der Bus ist klimatisiert und es geht von Palermo gen Osten Richtung Castellammare del Golfo, unserem ersten Etappenziel. Hier werden wir die ersten zwei Nächte bleiben. Erst geht es über die Autobahn und dann über kurvige Straßen entlang der Küste Richtung Castellammare. Ich klebe die ganze Zeit am Fenster und kann mich an der Landschaft nicht sattsehen. Alles ist so anders. Am Straßenrand stehen große Feigenkakteen mit Früchten in leuchtenden Farben. Palmen, Aloe Vera und alles Mögliche, was ich nur von Bildern kenne. Ich möchte am liebsten aussteigen und alles anfassen und fühlen.
Castellammare, eine kleine malerische Stadt an einer schönen Bucht im Nordwesten Siziliens zwischen Palermo und Trapani. Es ist früher Nachmittag und nach dem Einchecken im Hotel nutzen wir den freien Nachmittag um den Ort zu erkunden. Die anderen Mitreisenden kommen erst später und Abends beginnt die Reise offiziell mit einem gemeinsamen Abendessen.
Castellammare del Golfo
Wir 4 vom Flug greifen uns unsere Badesachen und gehen los. Vor dem Hotel geht ein kleiner Weg runter zum Hafen. Viele kleine Boote wiegen sich sanft in den Wellen des Mittelmeeres. Meist sind es Fischerboote, eine Reihe von mehr oder weniger großen Jachten und kleine Motorboote, die man für eine Fahrt mieten kann. Am Hafen entlang gehts über die Promenade entlang vieler kleiner Bars und Ristorante weiter. Am Ende des Hafens liegt auf einer Landspitze ein altes Castell. Dahinter öffnet sich die Bucht und dort ist dann auch der Badestrand. Wir flanieren über eine Piazza, genießen das drumherum und wenden uns dann unserem eigentlichen Ziel zu, dem Badestrand.
Man muss über eine lange, an die hohe Ufermauer angesetzte Treppe hinabsteigen um ans Wasser zu kommen. Unten erwartet uns eine Besonderheit, die wir von der Nordsee und Ostsee nicht so kennen: Ein abgesperrter Bereich mit Sonnenschirmen und Liegen.
Immer zwei Liegen unter einem Sonnenschirm. Ist der Sonnenschirm zusammengeklappt, ist der Platz frei. Schirm offen- belegt. Über allem wacht ein Strandwächter. Sonnengebräunt, Shorts und Polobeshirtet, Sonnenbrille im gegelten Haar… Wir nennen Ihn, wie alle seine Kollegen die wir noch im weiteren Verlauf der Reise sehen werden, Giovanni. Dieser von Giovanni bewachte Teil des Strandes ist sauber und aufgeräumt. Die Liegen sind mit deutscher Akkuratesse ausgerichtet. Haben exakt den gleichen Abstand zum Stiel des Schirmes und sind alle in gleichem Winkel zum Wasser ausgerichtet. Wer dort diesen Bereich betritt und sich ein Liegepärchen aussucht, wird, nachdem er seine Sachen abgelegt hat sofort von Giovanni begrüßt und der Sonnenschirm wird aufgeklappt und in diesem Moment ist die bar zu entrichtende Taxe fällig. Auf Vulcano waren es 6 Euro für 2 Personen. Das verschieben der Liegen wird nicht gern gesehen und sie werden nach dem Verlassen sofort und nachdrücklich wieder in die vorherige Position gebracht. Giovanni betreibt nebenher noch eine kleine Bar in einer Holzhütte. Hier gibt es Getränke und auch den einen oder anderen Snack.
Aber all das interessiert uns nicht, ich will ins Wasser. Das erste Mal in meinem Leben bade ich im Mittelmeer! Herrlich warm, türkisblaues Wasser… es ist eine Wucht. Leider liegt unser Badestrand im Schatten und so bleiben wir nur eine relativ kurze Zeit. Wir wollen uns noch weiter die Stadt ansehen. Beim Rauskommen aus dem Wasser habe ich mir gleich mal eben den einen Zeh an einem submarinen Stein angestoßen. Toll! Blutet und mit Sand drin..Naja, das ganze im Wasser abgespült, Autschn- offene Wunde und Salzwasser ist nicht so toll aber desinfiziert, mit Tempo trockengetupft und den Hautfetzen wieder über die Wunde gelegt. Stadt anschauen ist wichtiger, sterben kann ich später! Vorsichtig in die Socke rein und auf los gehts los! Los! Wir wollen ein echt italienisches Eis essen. Aber erst brauchen wir etwas zu trinken. Zum Glück hat der eine oder andere Tabacchi-Laden auch über die Mittagszeit offen. Dort gibt es Mineralwasser, wie überall auf Sizilien, gekühlt und in PET-Flaschen. Das Wasser aus der Leitung sollte man nur trinken, wenn man krank werden möchte. Das ist in Italien kein so richtiger Spaß da das Gesundheitssystem etwas anders als das von Deutschland her gewohnte ist.
Wir spazieren durch die Altstadt, genießen die Ruhe und sehen uns die Häuser an. Urlaubsfeeling macht sich breit. In der Via Re Federico finden wir eine kleine Gelateria. Auja, Eis essen… Unschlüssig stehen wir vor dem Tresen. Es gibt viele Sorten und wir werden uns bewusst, das wir uns nur schwer verständlich machen können. Ein, zwei Eissorten kennen wir vom Namen her, ein paar können wir auch noch am Aussehen identifizieren… Gut, davon nehmen wir. Jetzt das nächste Problem. Das Eis wird nicht als Kugel verkauft, sondern nach piccolo, medium und grande. Und dann werden die gewünschten Eissorten mit einem Spachtel in die Waffel gedrückt. Wie in Italien meist üblich muss man vorher beim Patrone bezahlen und geht dann zum Eistresen um das Gewünschte zu bestellen. Andere Länder andere Sitten. Mit unseren Eiswaffeln setzen wir uns gegenüber auf ein paar Stühle und genießen bestes Gelati aus Sizilien. Echtes italienisches Eis in Italien, das ist kaum zu toppen. Die Via Re Federico ist leicht abschüssig zum Hafen hin und wir folgen der Straße. Am Ende steht ein zweirädriger Holzkarren der vollgeladen mit Kaktusfeigen ist. Katrin holt sich ein paar fertig geschälte und wir probieren alle. Ich hatte zu Hause schon mal welche gekauft und die waren nicht lecker. Aber diese hier, kein Vergleich! Es macht doch etwas aus, ob die Früchte zwei Monate länger in der Sonne hängen zum reifen. Unglaublich, was man uns hier in Deutschland teilweise anbietet.
Mittlerweile macht sich ein kleiner Kaffeedurst bemerkbar. Unten am Hafen setzen wir uns in eine Bar und bestellen. Drei Cappuccini und einen Espresso. Der Wirt runzelt nur kurz die Augenbraue, drei von uns haben sich gerade als Touristen und Banausen geoutet. Der Italiener trinkt bestenfalls nur zum Frühstück einen Cappuccino oder Latte Macchiato. Ansonsten nur Espresso, hier als Kaffee bezeichnet. Unser deutscher Kaffee ist in Italien ein Americano. Der Espresso kommt in eine große Tasse und …zisch…etwas heißes Wasser dazu und fertig ist die Tasse Kaffee…Langsam neigt sich der Nachmittag dem Abend zu und wir wollen ins Hotel um uns frisch zu machen. Heute Abend steigt das Kennenlernessen. Ich bin ein wenig gespannt, mit wem wir die nächsten Tage verbringen werden! Unser Hotel liegt etwas oberhalb des Hafens und besteht aus 2 Häusern. Wir sind im hinteren Haus untergebracht. Ich habe ein Zimmer im Erdgeschoß mit kleiner Terrasse, die gleichzeitig der Eingang ist. Nett eingerichtet, nichts besonderes aber gut. Was will man mehr. Auf der kleinen Terrasse stehen zwei Stühle und ein Wäscheständer. das ist gut, da kann man sein Badetuch trocknen. Nachdem wir uns frisch gemacht haben begeben wir uns in den Speisesaal. Uns erwartet ein italienisches Menü. So, wie in Italien gegessen wird. Ich bin gespannt. Vorher lernen wir noch unsere Mitreisenden kennen. Ich werde hier jetzt nicht alle beschreiben, das kommt im weiteren Verlauf, aber ich denke es ist eine gute Truppe. Wir sitzen am Tisch mit zwei jüngeren Frauen die schon öfter auf solchen Rundreisen waren und dementsprechende Erfahrungen haben. Aber mit denen werde ich die ganze Reise lang nicht so wirklich warm. Aber was solls, es bleiben noch viele Andere…Ist schon merkwürdig, das das Bauchgefühl einen nicht im Stich läßt.
Es gibt Pasta alla Norma, das sizilianische Nationalgericht. Es wird uns noch öfter über den Tisch laufen. Ein Gedicht, Pasta mit Tomatensauce und frittierte Auberginen mit Ricotta salada und Parmesan. Sizilien hat meinen Gaumen auch im Sturm erobert. Danach ein Fleischgericht und zum Schluß Obst. Der leckere Wein rundet das ganze noch ab.
Nachdem unsere Reiseleiterin Frau M. aus M. uns den Ablauf des nächsten Tages mitgeteilt hat, sitzen wir noch etwas an der Bar und genießen den Wein und als Schlummertrunk einen Grappa…Frohgestimmt und neugierig darauf was einen erwartet gehe ich ins Bett.
Segesta, Erice und Trapani
Nach einer wegen leichter Aufregung kurzen Nacht und auch wegen der ungewohnten Umgebung mit ihren neuen Geräuschen und weil ich generell mich erst an Hotelbetten gewöhnen muss, bin ich am nächsten Morgen schon sehr früh wach. Es ist etwas anderes als hier zu Hause. Es gibt nur ein Laken zum zudecken. Zu Hause mummele ich mich immer in meine Decke ein und nur das Gesicht schaut raus….Gut, ich werd mich an dieses dünne Teil gewöhnen. Zur Not liegt im Schrank eine Decke. Die werde ich aber die ganze Zeit nicht benötigen, nach zwei bis drei Nächten hatte ich mich an das alles gewöhnt.
Um 8:30 ist Abfahrt und ab 7:00 gibts Frühstück. Ich bin gespannt, wie das aussieht. In dem Speisesaal stehen zwei lange Tische mit allem möglichen beladen. Ich brauch erst mal einen Kaffee.
Es gibt Espresso aus einer großen Kanne und dazu steht daneben eine Kanne mit heißer Milch. Dieser erste Schluck dieses wunderbaren Gebräus verursacht ein Gefühl, als wenn einem ein Engel auf die Seele lullt. Der Tag ist gerettet. Dann schaue ich mich um. Es gibt Törtchen und Kuchen aller Art. Croissants, Marmeladen, Cannoli, Melone, Kaktusfeigen, Schinken, Salami, Käse und und und. Die Marmeladen sind ausgesprochen lecker und ich weiß gar nicht, womit ich anfangen soll. Peter steht auch etwas ratlos neben mir und wir fangen einfach mal an. Mir kommt das süße italienische Frühstück sehr gelegen, zu Hause esse ich auch gerne süß zum Frühstück. Der Italiener selbst begnügt sich mit einem Milchkaffee und eine Brioche oder Croissant. Das zweite Frühstück, das gegen 10:00 eingenommen wird ist dann etwas üppiger…
Gestärkt und voller Tatendrang begeben wir uns zu unserem Bus. Andrea wartet schon und begrüßt uns. Unsere erste Lektion Italienisch lernen wir jetzt unmittelbar. Die Begrüßung! Wenn wir im Bus sitzen begrüßt uns Andrea mit einem „Buongiorno a tutti“ und wir haben mit „Buongiorna Andrea“ zu antworten. Das sitzt nach einmaligem Üben und ist eine lustige Routine jeden morgen aufs neue. Über die Autobahn geht es Richtung Segesta. Dort erwartet uns ein Ausgrabungsstätte mit einem schönen Tempel und ein Amphitheater. Leider wird das Wetter auf der Fahrt dorthin etwas schlechter. Es zieht sich zu und fängt leise an zu regnen. An der Area Archeologica angekommen erwartet uns ein überwältigender Anblick. Der dorische Tempel! Er soll einer der am besten erhaltenen sein. Es ist absolut beeindruckend was die Elymer damals schon drauf hatten. Sie sollen zu den frühen Einwanderern auf Sizilien gehören. Der Legende nach waren sie Nachfahren der Trojaner.
Die Proportionen des Tempels sind absolut beeindruckend. Allerdings ist er nie ganz fertig geworden, aber das was wir sehen…Wow….
Östlich des Tempels liegt der Monte Barbaro. Dort an den Hängen war früher mal die antike Stadt Egesta. Wir fahren mit einem Busshuttle vom Tempel dorthin. Es geht bergauf und ist schon ein kleines Stück Weges, das bei dieser Feuchtigkeit schweißtreibend werden würde. Von der alten Stadt sehen wir nur die Grundmauern. Ein Teil ist ausgegraben und vermittelt uns zusammen mit den Erklärungen unserer Reisleiterin ein ungefähres Bild dessen, wie es dort früher ausgesehen haben mag. Auf der anderen Seite des Berges liegt das Amphitheater.
Der Blick von den Rängen geht weit über die sizilianische Landschaft hin. Wie überall, haben sich an den Theatern mehrere Völker beteiligt. Die Hellenen habens gebaut, die Römer umgebaut, die Erdbeben beschädigt und die Sizilianer in Teilen für den Hausbau benutzt. Da dieses aber weit ab von bebautem Gebiet liegt, ist bis auf die Bühnenrückwand alles gut erhalten.
Wir sitzen auf den Rängen und lauschen dem Vortrag unserer Reiseleiterin. Mit normaler Stimme von unten auf der Bühne vorgetragen und selbst auf den obersten Sitzreihen noch einwandfrei zu verstehen. Wie mag das hier zugegangen sein, als die Griechen und Römer hier ihre Stücke aufführten….
Auf dem Weg vom Theater runter zum Parkplatz treibt uns eine dicke Gewitterwolke. Zum Glück erreicht sie uns erst, als wir schon im Bus sitzen. Die Fahrt geht weiter nach Trapani. Der Ort der Salinen. Die Sonne strahlt jetzt vom Himmel, das es eine Pracht hat. So stelle ich mir den Urlaub am Mittelmeer vor! Flache, Salzwasser gefüllte Becken liegen hier direkt am Ufer des Meeres.
Das Wasser verdunstet und zurück bleibt das Salz. Früher haben diese Becken weite Teile der Landschaft um Trapanis geprägt und große Teile der Menschen dieser Gegend haben hier ihren Lebensunterhalt verdient. Heute sieht man sie nur noch vereinzelt in Betrieb. Meist verfallen sie oder dienen als touristische Attraktion. Große Hügel aus Salz säumen die noch in Betrieb befindlichen Becken. Gegen den Regen werden sie wie ein Dach mit Tonschindeln geschützt.
Das Wasser glitzert in der Sonne und in den alten Becken stolzieren Flamingos. Die Hitze ist famos und wir freuen uns über einen Imbiss unter einer mit Zeltbahnen überspannten Pergola. Hier im Schatten lässt es sich gut aushalten. Ein leichter Wind weht und so genießen wir Tomaten, Oliven, Käse Sardellen, Brot und leckeren Rotwein. Und das zum Mittag! Der Wein und die Hitze machen uns schläfrig… Aber wir werden ja gefahren. Alles ist gut! Es geht hinauf nach Erice zu Signora Maria Grammatico, jenem Urgestein der Mandorlini-Herstellung. Der Ursprung dieses Gebäckes liegt tief im eisernen Schweigen Siziliens vergraben. Aber ich habe keine Mühen gescheut es doch ans Tageslicht zu bringen.
Es ist mir gelungen. Siehe „Ricette Italiano“… Der Ort selbst liegt oben auf einem Felsen und es geht in engen Serpentinen hinauf. Der Bus scheint mal am Felsen entlang zu schaben, mal hängt er scheinbar weit über den Abhang hinaus. Oben angekommen erwartet uns ein grandioser Ausblick über den Westen Siziliens. Der Ort selber ist wunderschön, leider aber von Touristen überlaufen.
In den engen Gassen bieten kleine Läden in alten Gemäuern ihre Schätze an. Mit uralten Steinplatten gepflasterte Straßen werden durchschritten. Wer mag schon alles vor uns durch diese Gassen gelaufen sein, was haben diese Wege und Mauern schon alles gehört oder erlebt? Mandelgebäck wird in kleinen Pasticceria von Hand hergestellt und in allen Formen und Farben feilgeboten. Wir erstehen diverse dieser Schätze und genießen sie bei einer Tasse Kaffee. Es ist ein amtliches Suchtmittel. Gut das wir hier nicht drei Wochen Urlaub machen, sondern nur drei Stunden hier sind….
Wir streifen durch die Gassen und lassen die alten Häuser auf uns wirken. Die Chiesa Matrice mit ihrem allein stehenden Glockenturm ist die letzte Station unseres Rundgangs durch den Ort. Es geht wieder Richtung Castellammare. Andrea, unser Busfahrer, bringt uns wieder wohlbehalten die Serpentinen hinab und über die Autobahn in unser Hotel. Es war trotz zeitweilig etwas missgünstigem Wetters ein wunderbarer Auftakt für die Rundfahrt.
Monreale und Palermo
Morgens heißt es Koffer vor die Tür stellen, es geht via Monreale und Palermo nach Trabia. Es begrüßt uns ein herrlicher Tag und voller Vorfreude steigen wir nach dem ausgiebigen Frühstück in den Bus. Unser Gepäck ist schon verstaut und wir machen es uns bequem. Alle sind gespannt. Erst geht es über die Autobahn, die etwas oberhalb der Küste entlang geht Richtung Osten. Dann fahren wir von der Bahn ab und benutzen Landstraßen Richtung Monreale.
Der riesige Normannendom wartet auf uns. Hier hat König Wilhelm II. nicht nur die Kathedrale von Cefalu, die wir noch später besuchen werden, sondern auch die Palermos übertroffen. Das war auch sein Ziel. Sie ist die größte Kirche Siziliens und der Innenraum erschlägt einen geradezu mit seiner Goldpracht.
Staunend wandert man entlang der mit Mosaiken geschmückten Wände und Decken und schaut sich die biblischen Geschichten an, die dort erzählt werden. Auch von außen ist der Dom sehenswert. Am Dom befindet sich noch ein Rest des etwa zeitgleich mit ihm entstandenen Benediktinerklosters. Ein wunderschöner Kreuzgang der seinen maurischen Einfluss nicht verhehlen kann und einen an die Alhambra erinnert.
Etwas weiter weg vom Dom hat man einen sehr schönen Blick auf Palermo. Das Wetter ist uns hold und Palermo liegt im schönsten Sonnenschein. Weiter gehts mit dem Bus runter in die Stadt. Es ist Mittag und die Straßen sind verstopft. Aber anders als man es sich vorstellt geht es ganz gelassen zu. Nur selten mal eine Hupe, kein Geschrei, gar nichts. Man arrangiert sich und alle sind zufrieden. So geht es ganz gemächlich in die Innenstadt. In der Nähe der Kathedrale steigen wir aus und begeben uns auf den Weg.
Dies ist ein Bau, der viele Bauherren gesehen hat. Erst Kirche, dann Moschee, dann wieder durch die Normannen zur Kirche um und angebaut. Dann diverse An-und Umbauten bis ins 18. Jahrhundert hinein. Ein schöner, leicht überladener Mix aus allem.
Es geht mit dem Bus weiter zum Teatro Massimo. Sollte es gehen. Beim Einsteigen fehlt Einer. Einer unserer Mitreisenden, ich nenne ihn mal Gandalf, ist vom Weg Kirche- Bus verloren gegangen. Leider hat unsere Reiseleiterin seine Telefonnummer nicht und so muss sie telefonisch den Umweg über die Zentrale in Deutschland nehmen um ihn anrufen zu können. Er hatte nicht richtig hingehört und sich schon zu Fuß auf den Weg zum Teatro gemacht. Er war schon da und wartete auf uns, während wir in an der Kathedrale suchten. Nun gut, einer ist halt immer dabei. Am Teatro Massimo angekommen und mit unserem Hörgeschädigten wieder vereint werden wir zum Mittag entlassen. Wir suchen uns ein ruhiges Eckchen und nehmen einen Salat oder ein Sandwich zu uns. Zum Abschluß einen Espresso und ein Eis.
Wir treffen uns wieder am Teatro und wandern über den Corso Vittorio Emanuele zu den Quattro Canti. An diesem Platz stehen in den Ecken 4 Häuser mit konkav gewölbten Ecken in denen sich Statuen befinden. Es ist der Mittelpunkt der Innnenstdt. In der Nähe befindet sich die barocke Chiesa di San Guiseppe und die Piazza Pretoria mit ihrem Brunnen, der eigentlich für eine Villa in Florenz bestimmt war. Wegen seiner angeblichen unzüchtigen und eigentümlichen Darstellungen wollte der Eigentümer ihn nicht haben und verkaufte ihn Mitte des 16. Jahrhunderts nach Palermo. Seit dem steht er dort auf einem viel zu kleinen Platz. Wir wandern weiter und nehmen das Treiben dieser Großstadt in uns auf.

Quattro Canti
Weiter unten in der Nähe des Hafens ist der Treffpunkt mit unserem Busfahrer. Wir nutzen die Zeit um uns mit Getränken, Wasser und Wein in einem nahegelegenen Supermarkt einzudecken. Beim Bus angekommen gibt es erst mal Honigmelone. Ursprünglich wollte ich auf dem Markt in Monreale nur eine oder zwei haben, aber der Händler hat uns für bummelige 5 Euro den halben Bus vollgepackt. Leider konnten sie nicht alle gegessen werden…Aber die, die wir gegessen haben waren deutlich schöner und leckerer als die hier in Deutschland. Nachdem wir geschaut haben ob Gandalf im Bus sitzt ging es weiter Richtung Trabia. Unser Hotel ist eine umgebaute Thunfischfabrik. etwas verwinkelt aber sehr gut eingerichtet. Ein Teil der Zimmer, so auch meins, sind um eine Art Innenhof gruppiert und ich habe einen wunderbaren Blick aufs Meer. Mit Badegelegenheit vor dem Haus. Nach etwas Suchen finde ich auch den Ausgang zum Strand und genieße zum zweiten Mal ein Bad im Meer. Es ist herrlich entspannend. Direkt vor der Küste sind als Wellenbrecher Wälle aufgeschüttet, dahinter dümpeln Fischerboote im seichten Wasser.
Gegen Morgen fahren sie hinaus um dem Meer ein paar der noch vorhandenen Meeresfrüchte abzuringen. Das Meer plätschert leise an den Strand und erzeugt in dem Kies ein leise klickerndes Geräusch. Ich könnte noch eine Weile nur so da sitzen und zuhören und den Ausblick genießen. Aber es wird Zeit sich für das „Dinner“ umzuziehen. Mit Badesachen in den Speisesaal zu gehen ist ein absolutes no-go… Wir treffen uns alle wieder im Speisesaal des Hotels und warten gespannt auf das Essen. Neues Hotel, neues Glück. Wir sollen nicht enttäuscht werden! Es gibt ein wunderbares Menue mit vier Gängen. Dazu Wein und Wasser. Leider habe ich etwas den Eindruck, als wären die Kellner blasierter als die Gäste. Vornehm stolzieren sie zwischen den Tischen. Zum Glück ist auch eine Deutsche aus dem Schwarzwald, die der Liebe wegen hierher gezogen ist, dabei. Da können wir unsere Fragen bezüglich des Essens stellen und auch den einen oder anderen Extrawunsch äußern. Der leicht überhebliche Eindruck, den die Bedienung zumindest bei mir hinterließ hat sich aber am nächsten Morgen nicht bestätigt. Nach dem Essen genießen wir in gemütlicher Runde noch einen Grappa. Vor dem Schlafengehen zieht es mich noch mal ans Wasser, einfach mal die Stille genießen und den Tag etwas sacken lassen. Das Hotel im Rücken und den Blick auf das Meer. So lässt es sich gut leben!
Cefalu
Der nächste Morgen bringt uns nicht nicht nur ein wunderbares Frühstück in dem Speisesaal mit Blick aufs sonnenbeschienene Meer, sondern auch eine Fahrt in die Stadt Cefalu. Sie liegt etwa 40 km östlich von Trabia. Schon von weitem kann man den Hausberg der Stadt erkennen.
Ein mächtiger Felsen, in dessen Schatten die Stadt liegt. Die Türme der Kathedrale Santissimo Salvatore überragen die Häuser. Es die Kathedrale des Bistums Cefalù der Römisch-Katholischen Kirche in der Kirchenregion Sizilien. Die Kathedrale hat den Titel einer Basilica minor und liegt an der Piazza Duomo.
Auf dem Weg zur Kathedrale schlendern wir durch die Gassen, in denen geschäftiges treiben herrscht. Unmengen von Geschäften säumen den Weg. ich möchte immer wieder stehen bleiben und das alles in mich aufnehmen, aber die Gruppenführung drängt uns zu Kathedrale. Dort angekommen werden wir in die Kirche geführt.
Und schon wieder wird dort eine Hochzeit gefeiert. Es ist schon die Zweite auf unserer Reise. Die Italiener scheinen ein heiratsfreudiges Völkchen zu sein. Alle sind herausgeputzt, die Damen eine Augenweide. Jeder ist darauf bedacht eine „Bella Figura“ zu machen. Mir wird der Trubel zu viel und ich schleiche mich raus auf den Domvorplatz. In einem Café bestelle ich mir einen Espresso und ein Aqua Minerale. Die Hitze nimmt zu…Ich sitze im Schatten und schaue mich um. Die Eheleute sind offensichtlich verheiratet, denn die Hochzeitsgesellschaft strömt aus der Kirche. Einige Gäste setzen sich erst mal in den Schatten und brauchen ein Wasser. Ich sitze mittendrin in dem fröhlichen Treiben und dem lauten Erzählen und verstehe kaum ein Wort. Schnell werden einige Tische zusammengerückt und dann wird gegessen.
Mittlerweile ist meine Gruppe auch wieder aus der Kirche gekommen und wir werden zum Mittagessen uns selbst überlassen. In einer der kleinen Gassen der Altstadt finden wir ein kleines Ristorante, typisch italienischer Name „Le Chat Noir“. In einer schattigen Ecke finden wir einen Tisch und genießen die Ruhe. Erst mal Wasser, das wichtigste auf dieser Reise. Immer genug Wasser dabei haben. Das Wasser aus dem Hahn sollte nicht getrunken werden, die Qualität ist nicht so wie bei uns. Sizilien leidet, auf Grund der massiv abgeholzten Wälder, unter starkem Wassermangel in den Sommermonaten. Ab Ende Mai regnet es kaum noch. Erst ab Ende September fällt wieder Regen. Entsprechend ausgedörrt ist die Landschaft in dieser Zeit. Alles braun und grau. Lediglich die Oliven-, Zitrusfrucht-, Gemüse- und Weinplantagen sind grüne Flecken in der Landschaft.
Aber jetzt gibt es erst mal leckere Pasta und ein Glas Wein… Italien ist für mich das Land der Gaumenfreuden….
Am Nachmittag haben wir die Gelegenheit uns selbst in der Stadt umzuschauen. Wir entscheiden uns fürs baden. Herrlich türkisfarbenes Wasser lockt uns… Schnell die Treppen von der Promenade zum Strand runter und unsere Sachen ausgepackt. Zwei von unserer Gruppe waren schon vor uns da und wir gesellen uns dazu. Dann möglichst unauffällig auffällig in die Badeklamotten geschlüpft und rein in das wunderbar warme Wasser. Wenn man, so wie ich, einige Jahre nicht in Salzwasser gebadet ist man doch erstaunt, wie gut das trägt. Trotz des leichten Übergewichts…. Es ist ein Genuss in dem Wasser zu schwimmen und sich von der leichten Dünung schaukeln zu lassen.
Hier am Strand werden wir mit einem Phänomen Italiens bekannt gemacht: „Bella Figura“. Damit beschäftigt sich der Italiener sehr gerne. Gerade am Strand fällt das auf. Ein älteres Ehepaar kommt zum Strand und legt sein Handtuch in unserer Nähe ab. Die Dame entkleidet sich recht schnell, ein etwas unscheinbarer brauner Badeanzug kommt zum Vorschein. Der Herr des Tuches braucht da schon etwas länger. Angetan mit rosa Polohemd mit aufgestelltem Kragen, obligatorischer Sonnenbrille, weißer Leinenhose sowie braunen Lederslippern, peilt er erst mal die Lage. „Sehen mich auch alle?“ dann wird das Polohemd ausgezogen und zusammengefaltet. Wieder etwas umgeschaut und dann fällt die Leinenhose. darunter ein recht knapper Badeslip. Nochmal umgedreht, und dann ab ans Wasser. Auffällig ist, das viele nicht, so wie wir im Meer baden, sondern nur am Spülsaum, maximal bis zu den Knien, ins Wasser gehen. Danach wurde sich aufwändig abgetrocknet und dann auf dem Tuch drapiert. Das Anziehen war ähnlich langwierig. Oben an der Promenade steht die Jugend und schaut dem Treiben zu. Auch hier wird stark auf „Bella Figura“ geachtet.
Es geht gegen 18:00 und wir müssen leider wieder zurück nach Trabia. Morgen fahren wir quer über die Insel nach Agrigent. Müde vom langen Tag genießen wir noch die Ruhe im Hotel bevor es zum Abendessen geht. gegen 22:00 ist man mit ausreichend Bettschwere ausgestattet….
Agrigent
Wir machen uns voller Spannung am Morgen auf den ca. 110 km lange Reise quer über die Insel. Meist geht es über relativ leere Autobahnen. Kurioserweise sind diese meist aufgeständert und so fährt man einen Großteil der Zeit wie über eine Brücke. Warum, ist nicht zwingend zu erkennen. Möglicherweise liegt es an der sehr hügeligen Struktur des Hinterlandes, aber auch daran, das die Grundstückspreise sehr hoch sind. Fast die gesamte Insel befindet sich in der Hand einiger weniger Großgrundbesitzer. Die sind dann natürlich in der Lage die Preise zu diktieren. Da mag es dann Günstiger sein nur alle paar Meter mal den Platz für einen Pfeiler kaufen zu müssen, als für die ganze Trasse…Nach gut 2 Stunden Fahrt kommen wir am archäologischen Park von Agrigent an.
Wikipedia schreibt zu Agrigent:
Die archäologischen Stätten von Agrigent südlich des heutigen Stadtkerns von Agrigent gehören zu den eindrucksvollsten archäologischen Fundplätzen auf Sizilien. Sie zeigen vor allem die Überreste von Akragas (lat. Agrigentum), einer der bedeutendsten antiken griechischen Städte auf Sizilien. Die teilweise noch sehr gut erhaltenen griechischen Tempel zeugen von der Größe, Macht und kulturellen Hochblüte der damaligen griechischen Stadt.
Akragas war zwar erst 582 v. Chr. in einer zweiten Welle der griechischen Kolonisation gegründet worden, hatte sich aber bald, besonders durch den Sieg in der Schlacht bei Himera, zu der zweitwichtigsten griechischen Polis auf Sizilien nach Syrakus entwickelt. Diese Bedeutung fand ihren Ausdruck unter anderem in einer Reihe monumentaler Tempel, die im Verlauf des 5. Jahrhunderts v. Chr. entlang der südlichen Stadtmauer auf einem Höhenzug errichtet wurden, der in der archäologischen Fachsprache die Bezeichnung „Hügel der Tempel“ (ital.: Collina dei Templi) hat, im Volksmund aber (durch seine Lage unterhalb der heutigen Stadt Agrigent) als „Tal der Tempel“ (ital.: Valle dei Templi) bezeichnet wird. Die Bezeichnung „Tal der Tempel“ wird oft auch allgemein für die gesamten archäologischen Stätten von Agrigent verwendet.

Die Überreste dieser Tempel, vor allem der Concordiatempel, der zu den am besten erhaltenen Tempeln der griechischen Antike überhaupt zählt, waren auch ein Grund dafür, dass die archäologischen Stätten von Agrigent ab der Mitte des 18. Jahrhunderts für viele an der antiken griechischen Kultur Interessierte zu einem festen Bestandteil einer Bildungsreise nach Süditalien wurden. Auch Johann Wolfgang von Goethe schildert in seinem Werk „Italienische Reise“ seinen Besuch dieser Stätten.
1997 erklärte die UNESCO die archäologischen Stätten von Agrigent zum Weltkulturerbe mit der Begründung, dass Akragas „eine der größten Städte der Antike im Mittelmeerbereich war und in einem außergewöhnlich guten Zustand erhalten ist. Seine großartige Reihe dorischer Tempel ist eines der herausragendsten Denkmäler für die griechische Kunst und Kultur.“
Es ist überwältigend. Wir haben auch ein riesiges Glück mit dem Wetter, strahlender Sonnenschein, der alles in ein wunderbares Licht taucht, im Hintergrund das Mittelmeer …Nachdem wir uns die Sehenswürdigkeiten dieses Ortes angetan haben wollen wir nur noch eins: was zu Essen und Wasser….
Beides bekommen wir in einer kleinen Pizzeria etwas außerhalb der archäologischen Stätten. Dort sind extra für uns draußen unter aufgespannten, schattenspendenden Zeltbahnen Tische gedeckt. Wir nehmen Platz und genießen den Schatten. In dem archäologischen Park war es doch manches mal sehr warm. Schatten gab es dort nur unter einigen alten Olivenbäumen, die aber immer von Gruppen von Touristen umlagert wurden. Weiter gings immer nur dann, wenn vorne eine Gruppe wieder den nächsten Baum freigab. Hier ist es jetzt angenehm und wir ruhen nach fast 10 km wandern durch die Antike aus.
Alsbald wird serviert. Diverse Pizzen werden und dargereicht und jeder greift beherzt zu. Dazu gibt es neben dem obligatorischen Wasser auch Rotwein. Es muss so 14:00 sein und das erste Glas Vino Rosso spült die staubige Kehle durch. Nach dem Genuss weiterer Gläser, der Pizza und eines Desserts sind wir alle froh nicht allzu weit zu Bus gehen zu müssen. Im Bus selbst werden wir noch mit einem Gläschen sehr süßem Cremovos beglückt. Ein außerordentlich leckerer Süßwein aus der Region Marsala… Auf der Rückfahrt ist es doch recht ruhig im Bus und auch mir fallen, trotz der faszinierenden Landschaft die draußen vorbeizieht, ab und zu mal die Augen zu … Ein herrlicher Tag geht zu Ende!
Auf zu den Inseln im Wind!
Lipari
Heute morgen gehts los…Die äolischen Inseln rufen. Benannt nach dem griechischem Windgott Aiolos. Wikipedia meint:
Aiolos war nach Homers Odyssee[1] ein Sohn des Hippotes und bewohnte mit seiner Gattin sowie seinen sechs Söhnen und sechs Töchtern die schwimmende Insel Aiolia (Αἰολία). Diese wurde schon in der Antike[2] gerne mit einer der Äolischen Inseln (deren Namen von Aiolos abgeleitet ist) identifiziert. Einige moderne Forscher setzen sie dagegen mit anderen Inseln, u. a. mit Ustica[3] oder Malta[4] gleich. Aiolos nahm Odysseus und seine Gefährten gastfreundlich auf und bewirtete sie einen Monat. Vor der Heimfahrt gab er Odysseus einen Schlauch aus Rindsleder mit ungünstigen Winden, der verschlossen bleiben sollte. Gleichzeitig ließ er für Odysseus’ Heimfahrt günstige Westwinde wehen. Der Schlauch wurde jedoch von den Gefährten des Odysseus kurz vor Erreichen Ithakas geöffnet. Infolgedessen entwichen alle Winde und die Schiffe wurde zu der Aiolos-Insel zurückgetrieben. Als Odysseus Aiolos erneut um günstige Winde bat, wurde er abgewiesen.
Wir machen uns also voller Vorfreude auf den Weg, von Cefalu geht es über die Autostrada Richtung Milazzo….
das Schiff wartet schon. Schnell werden Armbändchen verteilt, an denen zu erkennen ist wo wir hinwollen. Die Koffer bekommen auch eins, damit sie dahin kommen, wo wir hinwollen. Dann geht sie los, die reise in das Reich des König Äolos. Er meint es gut mit uns und schiebt unser Boot etwas und so gleiten wir geschwind auf den Wellen des Mittelmeeres entlang Richtung Norden. Es ist etwas dunstig und so sehen wir nur langsam die Insel Lipari vor uns größer werden und näher kommen. Linker Hand liegt Vulkano. Nach ca. einer Stunde erreichen wir Lipari. An der Marina Corta werden wir und unser Gepäck ausgeladen. Am Hafen wartet ein Kleinbus in den unser Gepäck eingeladen wird. Wir sind etwas skeptisch, aber es klappt.
Alles passt rein und der Wagen fährt los. Wir zuckeln hinterdrein. Lipari ist ein ganz anderes Italien als auf dem Festland. Man hat das Gefühl einzutauchen in das Italien, von dem unsere Eltern erzählt haben, als sie ihre ersten Urlaube in diesem Land verbracht haben. Kein Massentourismus, alles noch unverfälscht und, so hat man das Gefühl, authentisch. Viele kleine Gassen, mit Geschäften, Häuser mit schönen, wenn auch kleinen Gärten und es geht immer bergauf. Die Äolischen Inseln sind alles Vulkane. Bis auf Vulcano und natürlich Stromboli, sind sie leider verloschen. Aber den Charakter des Vulkankegels spürt man halt dadurch, das er steil aus dem Meer herausragt.
Die Orte sind an die Hänge geklebt und man muss große Höhenunterschiede überwinden. Oben im Hotel angekommen genießen wir den Ausblick von unseren Zimmern über das Mittelmeer. Der hoteleigene Pool lädt zu einem kurzen, erfrischenden Bade ein. Mittlerweile hat der Himmel auch aufgeklart und die Sonne scheint. Ein paar Züge durch den Pool reichen, duschen und mit frischen Klamotten versehen geht es los zu einer kleinen Führung durch die Stadt Lipari. Hinauf zum Burgberg mit seiner schönen Barockkirche und der Ausgrabungsstätte.
Die Inseln waren schon in der Bronzezeit besiedelt… Anschließend hinunter in die Gassen der Stadt und über den Corso. Wir haben noch etwas Zeit zum bummeln und genießen das italienische Flair des Ortes. So viel Läden mit so vielen Dingen. Schmuck, Keramik, Bekleidung und und und. Kleine Lokal mit schönen Sitzgelegenheiten draussen in der Sonne. Am Hafen unten geschäftiges Treiben. Kinder spielen am Strand, Boote fahren rein und raus und es wird für ein Fest am Abend schon mal die Bühne aufgebaut. Wir bummeln einfach ziellos durch den Ort und schauen uns um und saugen alles in uns auf. Kapern werden uns empfohlen. Klein sollen sie sein und in Salz eingelegt. Wir probieren welche in unterschiedlichen Größen, natürlich ungesalzen, Oliven gibt es, Tomaten, Mandeln und vieles andere. Ich kaufe Kapern und Mandeln. Tomaten auch ein paar, die schmecken, nicht zu vergleichen mit den Wassersäcken, die man uns zu Hause anbietet.
Abends sitzen wir noch auf der Terrasse unsere Zimmer und genießen den Abend. Auf dieser Insel es ist ruhig und nur die Geräusche des Meeres dringen zu uns herauf. Eine schöne Flasche Wein, ein paar Chips…Glück kann so einfach sein…
Vulcano
Am nächsten Morgen holt uns ein kleiner Bus zu einer Inselrundfahrt ab. Es geht einmal um die Insel mit Halt an wunderbaren Aussichtspunkten und einer beeindruckenden Landschaft. 
Der strahlend helle Bimssteinabbau, die Aussicht Richtung Salina, im Hintergrund der Stromboli, davor Panarea und der Blick auf Vulcano, das heute Nachmittag besucht wird. Durch Canneto, mit seinem kleinen Strand, geht es wieder zurück zum Hotel.
Nach einem kurzen Imbiß fahren wir mit dem Schiff Richtung Vulcano. Es ist leicht bedeckt, aber manchmal lugt die Sonne durch den Dunst. Das Schiff nimmt Fahrt auf, entland der Südostküste geht es Vulcano entgegen.
Die Insel liegt nur etwas 1 km von der Südspitze Liparis entfernt, aber wir werden in eine ganz andere Welt eintauchen. Vorerts geht es aber noch entlang der Südspitze Liparis dann, dann nach Westen zu den beeindruckenden Faraglioni vor der Küste. Reste vergangener Vulkantätigkeiten, die aus dem Meer ragen umgeben von türkisfarbenen Wasser. Um mich herum klicken die Kameras…
Ich kann mich nicht sattsehen an den Formationen, die aus dem Meer emporsteigen und von den gewaltigen Naturkräften die hier vor Äonen gewirkt haben müssen. Dann dreht das Schiff nach Süden Richtung Vulcano. Wir fahren Südosten um die Nordspitze herum. An den Hängen der Insel sieht man große Komplexe von Ressorts und Spas. Hier ist mehr Tourismus als auf Lipari, aber immer noch in einem erträglichen Maße.
Weiter gehts in Richtung Vulcano und Porto Levante. Dort angekommen gehen wir an Land um gleich von schwefligen Dämpfen empfangen zu werden. Direkt am Hafen liegt im Schatten eines Felsens eine Thermalquelle. Il Fanghi di Vulcano. Auf dem Weg dahin müssen wir an dem Felsen vorbei. Der Boden strahlt Wärme ab. An einigen Stellen faucht heißer Schwefeldampf aus dem Boden und nimmt uns im ersten Moment den Atem.
Aber man gewöhnt sich schnell daran. In der Schwefelquelle sieht man Männlein und Weiblein baden, es riecht noch etwas unangenehmer, obwohl wir nicht dicht dran sind…. wie muss es da drinnen riechen. Vor allem, wie riecht man, wenn man nicht mehr drinnen ist und wie lange?
Die Schwefelquelle soll gut gegen Hautkrankheiten sein. ich beschließe spontan an keiner zu leiden und wir gehen weiter zum Strand. Dort wieder das Bild, das wir schon von anderen Stränden kennen… 2 Liegen und ein Sonnenschirm, in Reih und Glied. Mittlerweile wissen wir Bescheid und steuern direkt auf einen geschlossenen Sonnenschirm zu, legen unsere Sachen ab und im selben Moment materialisiert sich Giovanni neben uns … Ich meine ein leichtes Britzeln des ihn umgeben Plasmas, das beim Materialisieren entsteht, gehört zu haben. Wie dem auch sei, 6 Euro abgedrückt, Schirm aufgespannt, die Liegen sind für die nächsten Stunden unsere. Also raus aus den Klamotten, rein in die Badehose. Von der Liege aus peile ich erst mal die Lage…. Vorne im Wasser brodelt es. Es ist etwas milchig und trüb. Weiter hinten tummeln sich einige Badende in einem Bereich wo es etwas heftiger brodelt. Ich beschließe erst mal den vorderen Bereich zuerkunden. Nicht das man in den unergründlichen Tiefen eines submarine Vulkanschlotes verschwindet… Das Wasser ist angenehm warm. Vorne an gibt es einen Unterwasserfelsen, den man nicht sieht, aber sofort mit den Zehen spürt. Autschn. Zum Glück fließt kein Blut…. Der Felsen bietet sich gut als Sitzplatz an. Bis zu den Schultern im Wasser kann man das warme Wasser schön genießen. Um einen herum steigen mehr oder weniger viele Blasen auf. Es riecht leicht nach Schwefel. Einige Damen stellen erstaunt fest, das ihr angeblicher Silberschmuck doch kein echter ist. Das kann später interessante Gespräche mit dem Partner geben. Silber wird in dem schwefelhaltigen Wasser sofort schwarz. Wenn man mit den Füßen etwas den Sand wegschiebt, stellt man erstaunt fest das in wenigen Zentimetern Tiefe die Temperatur des Bodens doch beträchtlich ansteigt. Der Boden wird richtig heiß… Weiter draußen, wo das Wasser etwas mehr in Bewegung ist, kann man den Fuß direkt über eine unterseeische Gasquelle halten. Warmes Gas steigt auf…Ich stecke den Fuß etwas in die Felsspalten… Es blubbert lustig um die Zehen… Hoffentlich hält Vulcano das nicht für ein unerlaubtes eindringen in sein Reich. Nachdem das Bad beendet ist und man sich abgetrocknet hat, stellt man einen leichten Schwefelgeruch an sich fest. Merke: Wer mit Vulcano badet muss sich nicht wundern, wenn er nach Schwefel riecht! Aber nach zweimaligem Duschen ist auch das vorbei… Abends gehts wieder zurück nach Lipari.
Stromboli
Heute steht einer der letzten Höhepunkte dieser an Höhepunkten so reichen Reise an. Es geht rüber nach Stromboli. Für mich etwas, das den besonderen Reiz dieser Reise ausmacht. Ich setze das erste Mal den Fuß auf einen aktiven Vulkan!
Auch hierzu ein Auszug aus Wikipedia:
Vor etwa 40.000 Jahren kam es im Jungpleistozän zum Initialausbruch des Paläo-Stromboli. Der als Schlotfüllung stehen gebliebene Rest eines möglicherweise noch älteren Vulkans ist der 1500 Meter vor der Nordostküste im Meer liegende Strombolicchio. Am Ende der Tätigkeit des Paläo-Stromboli formte sich durch einen vulkanotektonischen Einbruch eine Caldera von etwa 1800 Meter × 3000 Meter, die heute durch die Sierra i Vàncori markierte, zur See hin offene Paläo-Stromboli-Caldera.
Innerhalb dieser Caldera bildete sich in der Folgezeit ein neuer Vulkan, der exzentrisch in die alte Caldera eingeschachtelte ältere Neo-Stromboli, dessen Erstausbruch vor etwa 10.000 Jahren begann. Im Laufe seiner Tätigkeit füllte der Neo-Stromboli die Paläo-Stromboli-Caldera fast vollständig auf, wobei, im Gegensatz zur heutigen Tätigkeit des Stromboli, reichlich Laven ausflossen. Vor 5000 bis 6000 Jahren kam es am Ende der Tätigkeit des älteren Neo-Stromboli wiederum zu einem, jedoch kleineren Calderaeinbruch, durch den sich der Sciara-del-Fuoco-Graben bildete, eine so genannte „hängende Caldera“ am Nordwesthang des Vulkans.
Nach dem Einbruch dieser Neo-Stromboli-Caldera bildete sich vor rund 5000 Jahren an deren Südostende exzentrisch der jüngere Neo-Stromboli als der heute tätige Vulkan.
Aktivität des Stromboli
Strombolianische Eruption am Stromboli
Eruption des Stromboli (animiert) 2012
Der Stromboli ist ständig aktiv. In unregelmäßigen Abständen (wenige Minuten bis stündlich) kommt es aus mehreren Krateröffnungen zu größeren und kleineren Eruptionen. Das ausgeworfene Material fällt meist in den Krater zurück oder es rollt teilweise über die Sciara del Fuoco ins Meer.
Dieser regelmäßige Auswurf von Lavafetzen, Schlacken und Aschen ist so typisch für Stromboli, dass Vulkanaktivität dieser Art Strombolische oder Strombolianische Aktivität genannt wird. Diese, in dieser Regelmäßigkeit weltweit einzigartige, kontinuierliche Aktivität basiert auf dem Phänomen der Zwei-Phasen-Konvektion: In einer gewissen Höhe des Schlotes ist der Dampfdruck der Gase größer als der Gewichtsdruck der über den Gasen sich befindenden Flüssigkeit. Die entstehenden Gasblasen steigen auf und reißen beim Zerplatzen an der Oberfläche Magmafetzen mit sich. Durch die Entgasung erhöht sich die Dichte der Schmelze, die eine weitere Entgasung vorübergehend verhindert, während sie absinkt. Ist die Dichte der Schmelze so weit gesunken, dass der Gewichtsdruck wieder geringer ist als der Gasdruck, steigen erneut Gasblasen auf.
Besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können.
Aber bevor es losgeht habe ich jetzt noch Gelegenheit Lipari mal in Ruhe zu erkunden. Es ist schönstes Wetter und es geht noch einmal hinauf auf den Burgberg um die Aussicht zu genießen.
Danach ein Gang durch die Stadt mit dem Einkauf von ein paar Lebensmitteln für das kleine Picknick auf Stromboli.
Davon wissen meine Reisefreunde noch nichts, aber… Ein kleiner Lebensmittelladen in der Via Guiseppe Franza zieht mich in seinen Bann. Der Patrone sitzt an der Kasse und erwartet meinen Einkauf.
Die Kommunikation gestaltet sich etwas schwierig. Er spricht kein Englisch und ich wenig Italienisch. Aber wir unterhalten uns prächtig mit Händen und Füssen… ich verlasse den Laden mit Salami, Käse, Trauben, Pfirsichen und etwas Schokolade, die der Patrone mir noch geschenkt hat. Mit gefüllter Tasche gehts zum Hotel aber nicht ohne einen Zwischenstop in einem Bäckerladen, wo ich noch Brot erstehe. Nun aber schnell los, die Zeit drängt, das Boot wartet nicht und ich muss mich nach dem vielen Laufen in der Mittagshitze noch ein wenig unter der Dusche abkühlen. Im Hotel angekommen müssen auch noch Getränke eingepackt werden. Der Rucksack ist sehr voll und schwer. Kurz geduscht und schon geht es wieder runter zum Hafen… 
Voller Erwartung geht es auf das Boot, das uns heute nach Stromboli bringen wird. Wir ergattern vorne auf dem Oberdeck Plätze, die uns eine gute Aussicht garantieren. Die Sonne brennt aber wir sind gut behütet…
Es geht zuerst in Richtung Panarea, der Insel der Reichen. In einer kleinen Bucht im Süden gehen wir vor Anker und könnten Baden… Leider wussten wir das nicht und so haben wir keine Badesachen dabei. Wir müssen an Bord bleiben und könne nur dem lustigen Treiben im Wasser neiderfüllt zusehen…Nach einer halben Stunde lichtet der Capitano wieder den Anker und es geht weiter Richtung Hafen von Panarea. Dort liegt ein großer Frachter an der Mole und löscht Wasser. Das Wasser, das natürlich auf der Insel vorkommt reicht so gerade für die Einwohner der Insel, aber im Sommer sind doch viele Touristen da und dann muss zugeliefert werden. Die Situation verschlimmert sich noch dadurch, das in der letzten Zeit recht wenig Regen gefallen ist. Wir gehen an Land und genießen in einer kleinen Bar am Hafen einen Caffe im Schatten der Sonnenschirme.
Östlich der Insel liegen ein paar Felsen im Meer. Lisca Bianca, Lisca Nero, Bottaro und Dattilo. Unbewohnt und Teil eines Naturschutzgebietes. Lisca Bianca erinnert mich an einen auf einer Sandbank ruhenden Seehung, Lisca bedeutet aber Fischgräte, nun gut, wer weiß wie das zusammenhängt. Im Hintergrund erscheint das Objekt unserer Begierde der Stromboli.
Noch liegt er etwas im Dunst aber mit jeder Meile die wir fahren wird er größer und klarer. Eine Wolke hängt über seinem Gipfel, die sich kaum bewegt. Es ist aber keine Rauchwolhe, sondern kondensierte Luftfeuchtigkeit, eine stinknormale Wolke halt. Die Rauchfahne wird durch den stetig wehenden Wind nach Westen getrieben und man kann sie nur erahnen. Endlich legen wir im Hafen von Stromboli an und gehen zusammen mit den anderen in die Stadt. Wir steigen oben hinauf zur Piazza San Vincenzo. Dort im Schatten einiger hoher und alter Bäume, gegenüber der Chiesa Vincenzo Ferreri,
geniesen wir unser Picknick mit Salami, Käse, Obst und Brot. Der Blick schweift über die Piazza und hinaus aufs Meer bis zur Isola di Strombolicchio. Ein alter Vulkanschlot auf dem jetzt ein Leuchtfeuer steht. Hinter der Kirche haben einige Händler ihre Stände aufgebaut. An einem werden kandierte Früchte verkauft, Orangenspelten, Mandarinen, Melone und was weiß ich noch alles. Ein paar von jeder Sorte wandern in eine Tüte und wir haben unsere Dolci… Es fängt langsam an zu dämmern und wir machen uns auf den weg wieder hinunter zu Hafen. Die Fahrt um die Insel hinüber zur Sciara del Fuoca. Der Höhepunkt des Tages. Wir sollen zum ersten Male einen feuerspeienden Berg zu sehen bekommen. Vorerst geht es um Strombolicchio herum und dann weiter zur Sciara. Interessant sind die Strukturen die man auf dem alten Vulkanschlot erkennt…


Pferdekopf und Herz… Die Fantasie wird sicher noch viel mehr finden, aber leider drängt die zeit denn die Sonne befindet sich schon kurz vor dem Horizont und taucht gleich ins Meer ein. Mit einigen anderen Schiffen dümpeln wir kurz darauf in der ruhigen See vor der Sciara, der Feuerrutsche. Alle warten gespannt auf die regelmäßig wiederkehrenden kleinen Ausbrüche des Stromboli. Schon im Altertum waren diese Ausbrüche mit dem damit verbundenen Feuerschein den Schiffern der Zeit bekannt und der Stromboli war ein fester Orientierungspunkt für die Seefahrer. Leider ist der Gott Vulcano uns heute nicht gnädig gestimmt und wir sehen von unten leider nur Rauchwolken aus dem Krater aufsteigen die unten mal rot angeschienen sind. Lava fliegt leider nicht durch die Luft und es kullern auch keine Brocken über die Feuerutsche ins Meer. Trotzdem war es ein tolles Erlebnis und wir fahren durch die sternenklare Nacht Richtung Lipari. Über uns sieht man wunderbar die Milchstrasse… Ich komme mir auf einmal sehr klein vor, ob dieser Unendlichkeit.
Taormina
Morgens um 9:00 geht es runter zum Hafen. Das Schiff zur Überfahrt nach Milazzo wartet. Mit dem Tragflächenboot geht es in windeseile rüber zum Festland. Andrea unser Busfahrer wartet schon und wird von allen freudig begrüßt. Bester Stimmung geht es Richtung Taormina.
Schon Goethe war von dieser Stadt an der Ostküste zwischen Messina unt Catania begeistert. leider hinterlässt diese Begeisterung ihre Spuren in Form von großer Touristenmassen die si
ch durch die Straßen wälzen. Zwei große Kreuzfahrer liegen vor dem Hafen auf Reede und kleine boote pendeln vollgefüllt mit Passagieren durch die Bucht. In der Stadt sieht man überall Touristengruppen, die schnell durch die Stadt geschleust werden… Syracus wartet ja auch noch! Wie gehen auf dem Corso Umberto vom der Porta Catania zur Porta Messina. Rechts und links liegen allerlei Geschäfte, Boutiquen, Ristorante, Bars etc. Kurz vor der Porta Messina geht es rechts hoch über die Via Teatro Grecco rauf zum griechischen Amphitheater.
Sehr gut erhalten und beeindruckend in seiner Größe. Sitzt man auf den oberen Rängen kann man normalerweise den Ätna hinter der Bühnenrückwand sehen.
Leider hüllt er sich heute in Wolken, aber übermorgen werden wir ihn aus der Nähe zu sehen bekommen. Wir schlendern noch etwas durch die Gassen, genehmigen uns ein Gelati und Caffe. Taormina ist wundervoll, aber leider viel zu überlaufen….
Gegen späten Nachmittag geht es weiter Richtung Catania nach San Giovanni dell‘ Punta in unser Hotel.

Es ist etwas kühler geworden auf Sizilien und ich brauche abends auf der Terrasse das erste Mal meine Jacke… Morgen soll es Richtung Syracus gehen…
Syracus
Die letzte unserer Etappen vor dem Finale dieser Reise.
Zuerst geht es in einen antiken Steinbruch. Es ist erschreckend, welche Unmengen an Steinen dort herausgebrochen wurden und man mag sich gar nicht die Umstände unter denen die Arbeiter, es waren Sklaven, dort gehaust haben. Wenn man auf der untersten Sohle steht sieht man, das der Steinbruch kein Tagebau war, sondern dort die Steine unterirdisch abgebrochen wurden.
Eine gewaltige Decke lag über dem ganzen Bruch, getragen von riesigen Stützen. Gearbeitet wurde dort beim Schein von Fackeln und mit, aus heutiger Sicht, primitiven Werkzeugen. Bemerkenswert ist das Orrechio di Dionisio. Ein ohrförmiger Gang in diesem Steinbruch. Man folgte dort wohl einem unterirdischen Flußlauf um die Steine brechen zu können. Der Sage nach soll der Tyrann Dionysius oberhalb des Ausgangs dieses Stollen gestanden haben und auf Grund der besonderen Form dieses Stollen mitgehört haben können, was sein Sklaven dort beredeten.
Dadurch soll er frühzeitig über mögliche Anschläge und andere Bosheiten gegen sein Leben und Eigentum informiert gewesen sein. Wie gesagt, sollte… Ist aber eher eine Legende….Die Decke über dem Steinbruch ist mittlerweile eingestürzt und es hat sich auf dem Grund ein wunderbarer, paradiesischer Garten gebildet. Trotz der Hitze ist es hier schön kühl und schattig.
Weiter gehts zum Amphitheater. Von den Griechen gebaut, den Römern umgebaut und für Zirkusvorstellungen genutzt. Ein weiterer imposanter Bau in Sizilien. Mittlerweile bleibt einem der Mund nicht mehr so weit offen stehen angesichts der Größe, aber es bleibt trotzdem beeindruckend.
Gut zu sehen sind die einzelnen Umbauten. Von dem durch die Griechen in die Topographie geschlagenen Theater bis hin zu den Backstein An- und Umbauten durch die Römer. Es ist noch gut zu sehen, wo früher, für die Fütterungen der wilden Tiere mit verängstigten Menschen, die Holzpalisaden inkl. der Abstützung standen. Damit wurde sicher gestellt, das sich Löwen etc. nicht an den Zuschauern überfraßen. 
Auf dem großen Parkplatz vor dem archäologischen Park kann man wieder schön Andenken erstehen. Ich genehmige mir einen frischgepressten Orangensaft. Welch ein Genuss! Mit der Plürre, die man Zuhause sich aus Flasche eingießt überhaupt nicht zu vergleichen. Weiter gehts durch einen ehemaligen Opferpark in dem auf einem gigantischen Altar die Stiere und andere Tiere in Kompaniestärke geopfert wurden. Incl. Ablaufrinne für Blut. Was haben dort für Massaker stattgefunden! Der Altar ist hundert Meter lang…. Kaum zu fassen….
Nach diesen doch recht blutigen und nicht sehr friedlichen Eindrücken geht es in die Stadt Syrakus. Erst in die Neustadt, Neapolis. Dort auf der Piazza Duomo steht ein ehemaliger griechischer Tempel, der zu eine christlichen Kirche umgebaut wurde. Man war damals schon schlau und hat Recycling betrieben.
Die Zwischenräume zwischen den Säulen wurden ausgemauert, die sich in jedem Tempel befindliche Zella wurde geöffnet, ein Altar eingebaut undf fertig war die christliche Kirche. Es wurde nicht unbedingt abgerissen und neugebaut… Beeindruckend ist es aber allemal eine in letzter Ausbaustufe barocke Kirche in diesem vorchristlichen Sakralbau zu sehen. Von vorne, von der Piazza aus, sieht man ein monumentales Barockbauwerk. Wunderbar anzusehen. Leise Gitarrenklänge schweben über den Platz und wir finden den Urheber dieser gezupften Töne. Dario Chillemi… Ganz sebstvergessen sitzt er dort mitten auf dem Platz und entlockt seiner Gitarre wunderschöne Töne. Er merkt noch nicht einmal wie jemand anderes ebenso selbstvergessen nach seiner Musik tanzt. Erst als der letzte Ton verklingt öffnet er die Augen und man hat das Gefühl, er kommt jetzt erst wieder zurück in die Gegenwart. 
Wir wandeln durch die Neustadt Richtung Ortygia, der Keimzelle Syrakus. Diese Insel ist durch eine kleine Brücke vom Festland getrennt und bildete die ersten Anfänge der Stadt. Man siedelte dort, weil es unmittelbar am Meer auch noch eine ergiebige Süßwasserquelle gab.
Heute kann man diese Quelle immer noch bewundern, direkt neben der Promenade. Hier wächst auch eins der seltenen Vorkommen von Papyrus. Wir schlendern durch die befestigte Stadt und saugen die Eindrücke in uns auf. rechts der geschützte Hafen, heute mit großen, modernen Yachten belegt, links das Mittelmeer. Wellen brausen heran und brechen sich in den Felsen, die der Promenade vorgelagert sind. Welch ein Ausblick auf das blau-türkise Meer….
Zurück geht es durch die Altstadt entlang der Promenade. Leise Wehmut macht sich schon in mir breit, bedeutet doch die Abfahrt aus Syrakus den Beginn der letzten Etappe dieser Reise. Durch einen Park geht es wieder zum Bus, der uns nun zurück nach San Giovanni dell‘ Punta bringen wird.
Ätna
Heute steht der absolute Höhepunkt der Reise an. Wir fahren rauf auf den Ätna, Mongi Bello, wie der Italiener ihn nennt. Europas aktivster Vulkan. Ich bin gespannt auf das was mich erwartet. Der Ätna war der Auslöser dieser Reise und ich habe noch nicht einen Tag bereut! Morgens um 6:00 bin ich da erste Mal wach und schaue aus dem Fenster. Ich kann Ihn sehen! Er zeigt sich, wenn auch noch ganz leise von Dunst umgeben, aber er zeigt sich. Hat er doch in den letzten Tagen sein Haupt hinter Wolken versteckt, so sind die Aussichten für heute doch gut….
Auf der Terrasse des Hotels gönnen wir uns ein ausgiebiges Frühstück mit Caffe, Cornetti und anderen Leckereien. Frisch gestärkt geht es zum Bus und wir machen uns auf den Weg hinauf zur Talstation der Seilbahn. Diese wird uns von ca. 1.900 m auf etwa 2.500 m bringen. Hier herrscht großer Andrang. Alle wollen nach oben. In jede Kabine der Seilbahn werden 6 Personen verfrachtet und es geht wie am Fließbahn. Sitzt man erst mal in der Kabine und sie fährt los wird es still… man schwebt am Seil den Berg hinauf. Unter einem breiten sich Lavafelder aus, die nur teilweise von Moosen und Flechten bewachsen sind. Nachdem wir oben auf ca. 2.500 m Höhe angekommen sind werden wir mir Bussen weiter nach oben auf fast 3.100 m gebracht. Geländegängige Fahrzeuge, die sich mit 26 Personen, zuzüglich Fahrer, die steile Piste hinaufquälen.
Die Aussicht ist auch hier schon gewaltig. Wir sind jenseits jeden Bewuchses und auch das Licht hat sich in dieser Höhe verändert. Es ist kälter. Aber wir haben klare Sicht bis hinunter zum Meer. Oben an der Endstation angekommen heißt es schnell aussteigen. Es geht jetzt zu Fuß noch einmal einige Dutzend Meter hoch um einen ehemaligen Krater herum.
Weiter hinauf dürfen wir nicht, es geht nur mit Bergausrüstung und Führer weiter. Es ist ein eigenartiges Gefühl am Rand eines alten Kraters zu stehen, aus dessen Grund noch Dampf emporsteigt.
Ganz unten zeigt sich ein Schlot aus dem Gas austritt. Die Hänge sind steil und man mag sich nicht ausmalen, wo man landet, wenn man abrutscht und in den Schlot gerät.
Der Boden besteht nur aus Auswurfmaterial, von staubähnlich bis hin zu großen Brocken ist alles vertreten. Die Luft ist dünn und der weitere Aufstieg und die Umrundung des Kraters ist sehr anstrengend. Immerhin sind wir binnen 2 Stunden von Meereshöhe bis auf über 3.100 m aufgestiegen. An einigen Stellen auf dem Weg dringt etwas Dampf aus dem Boden. Scharrt man dort etwas, wird es stärker und riecht nach Schwefel…Man kann sich die Hände wärmen.
Der Blick von hier oben ist gigantisch. Kaum eine Wolke hindert den Blick daran in die Ferne zu schweifen. Unten sehen wir Catania, Taormina, Syracus. Das Meer leuchtet in der Ferne. Ich muss mich kneifen, es ist alles irgendwie irreal…
Im Hintergrund raucht es aus dem Hauptschlot, der gelb umrandet, nochmal gute 100 m über uns thront. Ich würde mich gerne hinsetzen und die Aussicht und das Gefühl hier oben zu sein genießen.
Aber nach einer Stunde heißt es: Abfahrt… schweren Herzens verabschiede ich mich vom Mongi Bello, aber nicht ohne ein paar Brocken Gestein eingesteckt zu haben…
Es geht wieder hinunter zu Bergstation der Seilbahn von da aus zum Parkplatz wo unser Bus wartet. Als letzter Programmpunkt steht heute eine Besichtigung einer Oliven- und Orangenplantage auf dem Programm. Dort gibt es wunderbare Pasta, nur mit etwas Zitronensaft, Minze, Käse und Olivenöl angemacht.
Ein Gedicht. Dazu kleine Bratwürste, Antipasti, Oliven, Käse, Wein…
Auf der Rückfahrt werde ich etwas wehmütig, naht doch nun endgültig der Tag der Abreise! Den Abend verbringen wir mit gemeinsam mit einem wunderbaren Abendessen im Hotel. Wir gehen noch eine Runde spazieren und nehmen so langsam Abschied von Sizilien.
Abreise
Die Nacht ist kurz und ich kann kaum schlafen. Alles Erlebte der letzten tage spukt mir im Kopf herum. Ich schaue noch mal die Bilder an, gehe im Geiste an die vielen wunderbaren Orte zurück, die wir in den letzten Tagen gesehen habe und weiß genau, das ich hierher zurückkommen werde. Sizilien hat etwas ganz besonderes, das einen nicht mehr losläßt…Nach einer unruhigen und kurzen Nacht und einem letzten Frühstück auf der Terrasse mit Etna-Blick geht es los zum Flughafen nach Catania… Ein trauriger Moment, aber mit der Gewissheit des Wiederkommens. 

Aus dem Flugzeug noch ein Blick auf Sizilien und die Äolischen Inseln, den Stiefelschaft und schon sind wir in München…
Kurz danach bin ich wieder zu Hause aber mit der Gewissheit im Herzen das ich wiederkommen werde…