Peschiera September/Oktober 2015

Anreise

Der Tag der Abreise naht und der Koffer wird immer voller. Was muss ich noch einpacken? Dann endlich hat man alles hoffentlich bedacht und eingepackt und der Tag der Abreise ist da. Das Taxi ist für 21:00 bestellt und der Zug geht gegen 22:01 und soll morgens um 7:30 in München Ost sein. Gebucht sind Sleeperette- Sessel. Ich bin gespannt was das sein soll. Hab eigentlich keine Vorstellung, was sich dahinter so richtig verbirgt. Auf dem Bahnhof angekommen, erst mal noch einen Kaffee und etwas zu essen besorgt und dann hoch auf den Bahnsteig gegangen. Haben wir alles mitgenommen? Im Geiste gehen wir noch mal den Inhalt des Koffers durch. Alles dabei? Fragender Blick zu meiner Partnerin… scheint so, aber jetzt ist es auch egal. Fahrkarten, Papiere, Geld, alles da. Das muss reichen, den Rest können wir kaufen! Was soll eigentlich die ganze Aufregung? Wir fahren doch nur nach Italien! Ja, aber zum ersten mal geht es für mich für eine längere Zeit in ein Land, dessen Muttersprache nicht die Meine ist. Ich habe kaum eine Ahnung was mich da erwartet und das ist etwas was ich gar nicht gerne habe. Ich weiß gerne was auf mich zukommt. Unsicherheit ist nichts für mich.

Egal, der Zug läuft ein und wir haben jetzt andere Gedanken im Kopf. Die Reise geht los!

Der Waggon ist schnell gefunden, die Koffer und Taschen reingewuchtet und umgeschaut. Ein merkwürdiges Ambiente. Da sind hinter einem Gepäckregal, das direkt vorne an der Tür ist, Sessel montiert die an die Sitze in Raumkapseln erinnern. Nur senkrecht aufgestellt. Auf jeder Seite zwei nebeneinander in mehreren Reihen hintereinander. Alles macht einen sehr alten und abgewetzten Eindruck. Schmuddelig. Die Waggons haben das Ambiente eines Bahnhofsklo. Es ist überhitzt, die Klimaanlage ist höllenlaut, der Sessel, er nennt sich Sleeperette, wie soll man da drin schlafen können?, knarzt bei jeder Bewegung des Insassen. So richtig Platz hat keiner da. Beine ausstrecken ist eher nur für Kleinere als mich möglich. Aber egal, wir haben diese Variante des Reisens gebucht und jetzt müssen wir da durch. Mitgefangen, mitgehangen. Der Zug setzt sich in Bewegung, die Innenbeleuchtung wird etwas abgedunkelt, was aber den Eindruck nicht besser macht. Das Schöne an diesen Waggons ist, man hört genau das man fährt. Jeder Schienenstoß, jede Weiche wird ungefiltert in den Innenraum übertragen. Nichts bleibt verborgen. Ich hole mein Tablet und das Headset heraus und stöpsele mich an. Musik auf die Ohren und gelesen…Eigentlich wollte ich etwas schlafen. Aber erst schaue ich aus dem Fenster während David Bowie von seinem Major Tom singt…

Draußen ist es finster, ab und an huscht ein Licht vorbei, Ort sind helle Flecke, die näherkommen und dann ein Bahnhof und wieder Dunkelheit. Auf der Straße die neben den Gleisen entlangläuft fahren ein paar einsame Autos. Wo wollen die hin, wo kommen die her? Wer sitzt da drin? Gedanken die einem durch den Kopf gehen.

Der Zug verlangsamt die Fahrt. Wir sind in Hildesheim. Was zum Teufel macht der Zug um diese Zeit in Hildesheim? Ich überlege, nach vorne zum Lokführer zu gehen und zu fragen ob wir das gleiche Ziel haben. Der Zug steht am Bahnsteig und ruckt kurz danach wieder an um auf ein Abstellgleis gezogen zu werden. Da stehen wir erst mal für eine gute Stunde.

Dann kommt wieder Bewegung in die ganze Angelegenheit. Wir werden gezogen, geschoben, fahren über Weichen, stehen kurz, dann poltert es am Zug, es ruckt und rumpelt, wieder werden wir ein paar Meter gefahren, dann steht der Zug wieder. Draußen fährt eine Lok vorbei. Unsere? Wo will die hin? Lassen die uns hier jetzt stehen? Wieder rumpeln und rucken, weiter gehts. Jetzt fahren wir etwas länger und ich hege schon die Hoffnung, das die Deutsche Bahn uns doch noch nach München bringen will, da stehen wir schon wieder. Diesmal am Bahnsteig. Hildesheim steht auf dem Schild… Was machen wir immer noch hier? Es ist mittlerweile nach ein Uhr in der Nacht…

Dann hat der Lokführer ein Einsehen und es geht los in die Nacht. Hildesheim liegt hinter uns, München kann kommen…

Jetzt bin ich doch tatsächlich mal eingeschlafen und habe eine Stunde gedöst. Was anderes ist in diesen Sitzen auch nicht möglich. Der Lärmpegel ist sehr hoch. Wenn die Klimaanlage läuft macht das einen ordentlichen Radau, wenn sie nicht läuft wird die Luft schlecht und man wartet darauf das die Klimaanlage anspringt…

Wir fahren durch die Lande, hoffentlich Richtung Süden. Zwischendurch wird noch mal angehalten, aber nur kurz.

Irgendwann erreichen wir München Hauptbahnhof. Es ist kurz nach 7:00. Draußen ist es trüb und neblig. Nasskalt. Ein großer Teil der Mitfahrer steigt aus und macht sich auf den Weg zum nächsten Zug oder ist schon am Ziel angelangt. Wir fahren weiter bis München Ost. Jetzt erst mal schnell einen Kaffee und dann auf den Bahnsteig, der Euro-Express nach Verona soll bald kommen. Jetzt geht es über die Alpen. Ist das Wetter dort oben schön? Toll wäre es in der Sonne durch die Alpen zu fahren. Ich kenne die Strecke nicht, habe nur auf Karten gesehen das es meistens entlang der Brennerautobahn geht. Es gibt nur eine erträgliche Anzahl von Tunnel die zu durchfahren sind, es sollte also möglich sein viel zu sehen.

Der Zug kommt und wir kämpfen uns durch den völlig überfüllten Waggon durch zu unseren reservierten Sitzplätzen.

Sitzplätze am Fenster! Der Zug rollt los und wir fahren mit EuroCity der ÖBB Richtung Verona. Erstaunlicherweise schaffen es die Österreicher vernünftige und moderne Züge auf die Gleise zu stellen. Es ist ein entspanntes Reisen, nach diesem Nachtzug der DB…

Via Kufstein Innsbruck, Brenner, Franzensfeste, Brixen, Bozen geht es nach Süden.

Es wird heller und hinter Rosenheim fängt es an aufzuklaren. Die Sonne kommt langsam raus und in Innsbruck haben wir schönsten Sonnenschein. Weiter geht es durchs Isartal hinauf zum Brenner. Die Strecke windet sich entlang des Hanges neben der Autobahn. Einige Tunnel werden durchfahren aber immer wieder hat man den Blick auf die sich langsam ändernde Landschaft. Die Sonne malt mit immer neuen Farben an die Hänge und Felsen. Es ist eine wunderbare Fahrt. Oben auf dem Brenner muss die Lok umgespannt werden. Wir haben ca 15 Minuten Aufenthalt und genießen diesen in der Sonne auf dem Bahnsteig. Was für eine Atmosphäre. Aus den Laufsprechern schallt es italienisch, auf dem Bahnsteig geschäftiges Treiben.

Wir sind in Italien!

Während der ganzen Fahrt haben wir immer wieder den Blick auf die Brennerautobahn. Daneben sieht man immer mal die alte Strecke auf denen unsere Eltern sich in klapprigen, teils untermotorisierten Wagen in den Urlaub im Süden gequält haben. Ich muss mich an den Film „Das kann doch unseren Willi nicht erschüttern“ mit Heinz Erhardt erinnern wo er mit seiner ganzen Familie incl. Schwager und Hund im Auto nach Italien fährt. Wie gemütlich, aber auch frei von jedem Abenteuer reisen wir doch heute!

Wie wäre es, diese alte Strecke noch mal mit dem Auto oder dem Motorrad, oder gar zu Fuß zu bewältigen? Wird notiert, für später.

Der Zugschaffner fordert uns mit eine Pfiff seiner Pfeife auf einzusteigen. Wir müssen weiter.

Jetzt geht es nur noch bergab hinunter nach Verona. Die Berge werden grüner. Neben der Strecke sieht man jetzt viele Obstplantagen. Es ist eine Gegend des Apfelanbaus. Riesige Anbauflächen säumen die Eisenbahngleise.  Wir sind in Südtirol/ Alto Adige. Die Schilder an den Bahnhöfen und den Ortseinfahrten sind zweisprachig. Italienisch/Deutsch. Wir fahren im Tal der Eisack/ Isarco durch Franzensfeste, Brixen und Bozen, der Landeshauptstadt der autonomen Region Trentino-Südtirol. Hier kommt von links die Etsch/ Adigo, die dem Fluß im weiteren Verlauf den Namen geben wird. Ihm folgen wir weiter bis Verona ins Veneto.

Die Täler werden weiter und dann kommen wir aus den Alpen heraus in die Ebene . Verona liegt vor uns. Der Zug hält in Verona Porta Nuova. Jetzt aber raus, wir sind fast angekommen. Der Zug nach Peschiera del Garda komt bald. Der italienische Fahrplan ist schnell entziffert und so stehen wir kurz darauf auf dem entsprechenden Bahnsteig. Der erinnert etwas an einen IC, nur älter, bringt uns innerhalb von 20 Minuten nach Peschiera.

In Peschiera empfängt uns strahlender Sonnenschein. Der kleine Bahnhof liegt am östlichen Ende der Kernstadt unweit des Minicio, dem einzigen Abfluß aus dem Gardasee.

Auf dem Bahnhofsvorplatz gähnende Leere. Kein Taxi, niemand weit und breit. Einzig ein Pärchen aus England steht etwas verloren mit seinen Koffern herum. Hier muss man das Taxi anrufen, anders als in Deutschland stehen hier keine Taxis am Bahnhof und warten auf Fahrgäste. Nun gut, allen Mut zusammen genommen und angerufen. Eine Stimme fragt nach unserem Begehr und nach einem unsicheren Buongiorno bestellen wir uns auf Englisch 2 Taxen zum Bahnhof. Ein Grazie hinterhergeschickt und damit ist unser Italienisch auch schon fast erschöpft. Nach einer kurzen Zeitspanne kommt auch ein kleiner Fiat angefahren und nimmt uns samt Gepäck auf. Der Fahrer merkt schnell, das unsere Italienischkenntnisse äußerst beschränkt sind und somit kommunizieren wir erst auf Englisch und als er merkt das wir aus Deutschland kommen, gehts auf deutsch und englisch weiter. Über die Via Stazione geht es Richtung Altstadt. Die Via Venezia überquert den Minicio und wir sind in der Festung. Auf der Brücke, die den anderen Arm den Minicio quert, sehen wir das erste Mal die Altstadt. Über die Viale Cordigero und Via Risorgimento geht es dann auf der Via Milano zum Campingplatz Bella Italia. Wir erreichen ein großes Areal,umzäunt und von hohen Bäumen umstanden.

In dem Gebäude, wo sich der Check in befindet herrscht ordentlich Trubel. Deutsche, Briten, Skandinavier und wer noch alles warten auf Ihre Armbänder, die uns als Gäste des Campingplatzes identifizieren und Schlüssel. Nach ein paar Minuten Wartezeit bekommen wir, nachdem die Anmeldeformalitäten erfüllt sind unsere  Unterlagen und eine Wegschreibung. Wir haben eines der Mobilheime gemietet und starten erwartungsfroh auf den Weg dorthin. Wer bei diesem und, wie wir später feststellen, auch den anderen „Campingplätzen“ in der Umgebung ausschließlich an den klassischen Campingplatz mit Stellplätzen für Wohnwagen, Wohnmobilen und Zelten denkt, wird überrascht sein.

Auf dem sehr weitläufigen Areal befinden sich, immer eingebettet in viel Grün, neben einer großen Badelandschaft, Ferienhäuser, mind. ein Hotel, Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitmöglichkeiten. Einen großen Teil der Anlage machen die Mobilheime aus. Stellplätze für Wohnwagen und Wohnmobile gibt es auch. Der Platz grenzt direkt an das Südufer des Gardasee an und direkt vor dem Platz ist eine Bademöglichkeit.

Nach etwa 5 Minuten Fußweg haben wir unser Mobilheim gefunden.

Dort stehen schön in Reih und Glied Schuhkartons mit Veranda. Ca.  25 m² groß mit Küche, Dusche/ WC und 2 kleinen Schlafzimmern. Der See ist ein paar Minuten entfernt und wir machen uns erstmal daran den Platz zu erkunden. Der Einkauf gestaltet sich recht unproblematisch. In dem Supermarkt gibt es eigentlich alles zu kaufen was man braucht. Vieles kennt man von zu Hause, aber es sind auch viele einheimische Produkte in den Regalen.

Peschiera
Am nächsten Morgen bummeln wir an der Promenade entlang in die nur etwa 10 Minuten entfernte Altstadt. Es ist schon ein ganz anderes Ambiente, das uns empfängt. Kleine enge Gassen, geschäftiges Treiben und es ist, trotz Ende September immer noch über 20° warm. In Hannover hatten wir ungefähr 10° weniger. Ganz entspannt schlendern wir durch die Altstadt und orientieren uns. Es sind viele neue Eindrücke, die auf einen zukommen. Ich bin begeistert. In den vielen kleinen Geschäften wird man freundlich empfangen. Wenn die Menschen merken, das man der Sprache nicht mächtig ist wird sofort Englisch oder deutsch gesprochen. Der Rest wird mit Händen und Füssen erledigt. Kommunikation ist kein Problem. Anders als in manchen deutschen Urlaubsgegenden ist man hier sehr freundlich und hilfsbereit, obwohl die Saison zu Ende geht und sicher schon Massen von Touristen hier gewesen sind. Nicht umsonst nennt man den Gardasee die „Badewanne Münchens“. Wir setzen uns vor die Bar-Gelateria Dante in der Via Dante, genießen einen Espresso al tavola und beobachten das Treiben. Touristen ziehen an uns vorbei, Einheimische gehen ihren täglichen Verrichtungen nach. Wir sind im Urlaub!

Gleich nebenan ist die Panificio Brizzolare. Im Schaufenster lachen uns aus einer Kühlvitrine lauter knallbunte Leckereien an. Im Inneren des Ladens thront, mit Messer und Spatel bewaffnet, Mr Brizzo hinter den Blechen mit seiner leckeren Pizza. Es gibt Pizza Margherita, Caprese, Tonno, Funghi etcetcetc. Die leckerste aber ist die mit Kapern, Oliven, Artischockenherzen und Paprika. Man wählt sich seine Pizzastücke nach Lust und Laune, Hunger und Appetit aus. Verkauft wird nach Gewicht und wenn man gleich essen will, wird sie auch in kleine Stücke geschnitten, heiß gemacht, und mit einer Gabel versehen. Dann kann man vor dem Laden an Stehtischen seine Mahlzeit genießen. Im Laden gibt es noch Unmengen von Brot und Kuchen und anderen, meist kalorienreichen Leckereien. Alles handgemacht und Signora Brizzolare lässt uns probieren…

Wir bummeln weiter durch die Altstadt, schauen uns die Festung an, die vielen Zypressen, Akazien, Pinien und was sonst noch so wächst. Einige Pflanzen kann ich nicht identifizieren. Ein paar Feigenbäume sehen wir auch. Die Stadt präsentiert sich mit mediterranem Flair. Es macht Spaß durch die Gassen zu schlendern und die Atmosphäre zu genießen. Die Altstadt wird vom Fluß um- und durchflossen, die Ufer sind befestigt und bilden dadurch Hafenanlagen und Anleger. Von den schönen baumbestandenen Promenaden aus kann man die Segel- und Motoryachten, aber auch kleine Fischerboot ansehen. Das Wasser im Fluß ist klar und in Ufernähe sammeln sich Schwärme von Jungfischen unter den schattenspendenden Bäumen. Auch die Mauern und Befestigungen der Ufer bilden natürliche Versteckmöglichkeiten, unter Wasser für Fische und über Wasser für Eidechsen und Vögel.
In der Mittagszeit ist alles ruhig und nur die Touristen streifen durch die Straßen… Am späten Nachmittag erwacht alles wieder zum Leben und die Straßen füllen sich und es wird geschäftig. Wir brauchen noch ein paar Lebensmittel und suchen uns einen kleinen Laden zum Einkaufen. In der Via Milano werden wir fündig. Ein kleiner Laden mit Bar. Es gibt Brot, Obst, Gemüse, Käse, Wurst und Getränke. Man kann sich auch ein Pannino bestellen oder einen Salat. Das wird alles frisch zubereitet und kann dann an kleinen Tischen verzehrt werden. Wir nehmen etwas Obst und Wurst und ein leckeres Brot mit. Bei den Khakifrüchten, die wir noch mitnehmen wollen, kommt die Konversation etwas ins Stocken da die Besitzerin nur des Italienischen mächtig ist. Wir kommen mit Deutsch, Englisch und Händen und Füssen nicht weiter, hinter den Tresen gehen und einfach drauf zeigen trauen wir uns nun aber nicht. Aus dem Hintergrund wird dann einfach übersetzt und alles läuft zur vollsten Zufriedenheit für alle Seiten ab. Bepackt machen wir uns weiter auf den Weg zu unserem Mobilheim. Dort angelangt genießen wir auf unserer Terrasse einen Kaffee.

Am nächsten Tag besuchen wir den Markt in der Stadt. Er findet auf der Piazzale Cesare Betteloni und der Salita Tognon statt. Ein mächtiges Gewusel. Es ist sehenswert. Stände mit Bekleidung, und zwar nicht der übliche Ramsch, der hierzulande auf den Märkten angeboten wird, sondern in meinen Augen gute und schicke Ware zu günstigen Preisen. Lebensmittel, Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch und so weiter. Kunsthandwerk wird auch angeboten. Wunderschöne Schmuckstücke aus Murano-Glas…konnten wir nicht dran vorbeigehen. Interessant sind die Stände mit Wurst und Käse. Überall wird einem etwas zum probieren angeboten und die Sachen schmecken! Die Tasche füllt sich langsam…
An den Fisch- und Fleischständen, kann man sich sein Menü selbst zusammenstellen und entweder direkt vor Ort genießen oder mitnehmen. Der Verkäufer hat seine Ware zum Teil frisch, oder aber auch schon zubereitet in seiner Auslage liegen. So kann man wählen zwischen frittierten Scampi und anderen Meeresfrüchten, kleinen fertig zubereiteten Fischstücken und Filets und sich je nach Appetit entsprechend etwas aussuchen. Wenn man will wird es direkt noch einmal heißgemacht… Auch bei den Fleischständen hat man reichhaltige Auswahl an allerlei leckeren Sachen… Und es riecht herrlich.
An den Obst- und Gemüseständen findet man die schönste Auswahl an lokalen Genüssen.

Sirmione
Wir haben leider nur 5 Tage Zeit und so wollen wir die Umgebung anschauen. Ein erster Abstecher führt uns nach Sirmione, die „Nadel“. Wir kommen in 15 Minuten mit dem Bus hin. Ein schöner kleiner Ort westlich von Peschiera der auf einer nadelförmigen Landzunge liegt. Ganz an der Spitze liegt eine alte römische Villenanlage, die Grotta di Catullo. Davor, am Eingang zum eigentlichen Ort Sirmione ist eine alte Festung der Scalier. Da wollen wir hin… Wir steigen in Santa Maria di Lugano an der Via Colombare aus dem Bus aus und gehen zu Fuß durch den Ort Richtung Colombare. Es ist warm, die Sonne scheint und wir wandern langsam weiter Richtung Norden auf die Landzunge. Ein, um diese Zeit, ruhiges Fleckchen Erde. Je weiter wir in Richtung Sirmione kommen desto enger wird die Landzunge. In Colombare stehen rechts und links der Strasse Häuser mit schönen Gärten. Hinter den Gärten sieht man jeweils den Gardasee. Wohnen am See… herrlich!

Dann sehen wir die Festung mit den besonderen Zinnenformen der Scalier auf den Türmen und Gebäuden des Komplexes. Davor eine schmale Brücke über die alle müssen, die in nach Sirmione wollen. Ordnungsbehörden stehen dort und lassen nur Fahrzeuge der Anwohner hinein. Alle anderen müssen draussen parken und es geht nur zu Fuß weiter. Hier ist die Landzunge geteilt. ob natürlich oder künstlich entzieht sich unserer Kenntnis, jedenfalls ensteht so eine Insel, die nur über eine Brücke und durch die Festung hindurch zu erreichen ist.

Dahinter bietet sich das Bild eines malerischen Ortes mit engen Gassen, kleinen Geschäften, Bars, Restaurants etc. Die Gassen sind teilweise so eng, das, wenn ein Auto kommt man in Hauseingänge und Geschäfte treten muss um nicht einen Reifenabdruck auf den Füssen zu haben…

Wir haben Hunger und Durst und suchen uns eine kleine Bar um etwas zu essen und zu trinken. Unsere Wahl fällt auf eine kleine Bar-Gelateria an der Piazza Flamina. Unter einer mit Wein bewachsenen Pergola genießen wir den Blick auf die Touristen und Einheimischen. Wir bestellen uns einen Wein und eine Pizza Margherita. Anschließend noch einen Espresso. So läßt es sich leben!

Nach dem Essen brauchts ein stilles Örtchen. Den Schildern gefolgt und auf die Tür… Achherje, eine Hocktoilette…Das ist nun etwas mit dem ich nicht gerechnet habe. OK, das Ganze wird also verschoben… So dringend ist es nun auch nicht.

Wir wandern weiter Richtung Grotta di Catullo, vorbei an noblen Herbergen wie der Villa Cortine Palace, durch Olivenhaine und an der Chiesa di San Pietro. An der Ausgrabungstätte angekommen stellen wir fest, das diese schon geschlossen hat. Auch nicht schlimm, ist ja eh alles kaputt. Also machen wir uns auf den Rückweg, allerdings nicht ohne vorher von der Spitze der Landzunge aus den herrlichen Blick über den Gardasee zu genießen.

Der Gardasee ist ein eiszeitlich geformter See. Ein Gletscher hat große Massen Geröll nach Süden geschoben und als er sich am Ende der Eiszeit zurückgezogen hat blieb das Geröll liegen und bildete einen Wall, hinter dem sich jetzt der See staut. Die größte Tiefe des Sees beträgt etwa 340m. Er ist etwa 50km lang und zwischen 2,5 und 7 km breit. Somit ist er der größte See Italiens.

Zurück geht es wieder mit dem Bus, der vor der Festung abfährt und uns wieder bis nach Peschiera bringt.

Malcesine

Auf ca 2/3 der Strecke Richtung Nordende liegt am Ostufer des Sees, im Schatten des Monte Baldo, der schöne, malerische Ort Malcesine. Wir fahren wieder mit dem Bus von Peschiera über Laszise, Bardolino, Garda und Casteletto. Der Busbahnhof befindet sich mitten in der Stadt. Enge Gassen und eine alte Scalierburg, die auf Resten einer Anlage der Langobarden steht, bestimmen das Stadtbild. Es geht teils recht steil hoch und die Gassen sind sehr verschlungen. Es bietet sich aber immer wieder ein herrlicher Blick auf den See und die umliegenden Berge. Am Ende der Via Borre hat man einen schönen Blick auf den See und kann nach Norden und Süden sehr weit blicken. Heute zeigt sich der See von seiner etwas rauheren Seite. Es ist sehr windig und ab und an regnet es. Das Wasser ist tiefdunkelblau, die Wellenhöhe beträgt geschätzte 1,5 m und eine steifer Wind fegt durch das Tal. Dort auf dem Vorsprung im See spürt man den Wind sehr deutlich. Vom Busbahnhof aus kann man den Corso G. Garibaldi entlang gehen. Auch hier sind viele kleine und große Geschäfte, wie auch Bars und Restaurants die zum Verweilen einladen. Besonders schön sind hier die Läden mit der Ceramiche,  farbenprächtige Teller, Schalen, Schüsseln, Becher etc warten auf Käufer. Eine Brotdose und ein Ölbehältnis wandern in unseren Rucksack. Zurück geht es wieder mit dem Bus. Die Fahrt dauert ungefähr 1 1/2 Stunden mit einem längeren Aufenthalt in Garda. Kosten für  Hin- und Rückfahrt betragen etwa 10 Euro pro Nase. Ein insgesamt günstiges Vergnügen. Die Strasse führt fast die gesamte Zeit direkt am Ufer entlang, so das man eine prächtige Aussicht hat.

Achja, in Malcesine musste ich dann doch mal eine öffentliche Hocktoilette besuchen. Es hat schon was für sich…Über die Benutzung und auch die Verbreitung dieses in den Boden eingelassenen Fäkalmöbels gibt es eine nette Abhandlung Hier

Verona

Bei einem Urlaub am Gardasee darf natürlich nicht der Besuch der Stadt Verona fehlen!

Wir fahren mit dem Bus. Abfahrt ist am Campingplatz oder auch an der Piazzale Cesare Betteloni direkt in der Altstadt. Von dorts gehts bis nach Verona Porta Nuova. Dies ist ein schöner Ausgangspunkt um gemütlich die Stadt zu erkunden. obwohl wir schon recht spät im Jahr dort waren und es auch noch mitten in der Woche ist, es ist viel Mensch unterwegs. Touristen wohin das Auge schaut. Viele bewaffnet mit Selfiesticks, so dass man echt aufpassen muss. Das Auge ist unverwandt auf das an der Deppenstange vor einem baumelnden Display gerichtet und damit blind für alles andere. Gerade im Bereich der Arena und der Casa di Guilietta ist es gefährlich…
Die Arena steht am Rande der Piazza Bra, umgeben von wunderbaren Palazzi. Es herscht ein mächtiges treiben in und um die Arena herum. Wir sind hineingegangen, aber Achtund! Es kostet minimum 10 Euro Eintritt. Und dann stellt man, wenn man drinnen ist fest, die Arena ist halb kaputt und, in unserem Falle, regnete es auch noch rein. Aber wenn man ganz oben auf den Rängen sitzt ist es schon beeindruckend und man hat auch einen schönen Blick über die Altstadt, die sich in einen Bogen der Etsch schmiegt. Hier gibt es unendlich viel zu sehen. Das muss man selbst erlebt haben.. Wir sind dann noch zur Casa di Guilietta gegangen um uns den berühmten Balkon anzusehen. Es herrscht vor dem Haus und in dem Innenhof, in dem das besagte Haus mit dem so berühmten Balkon steht ein übles Gewusel. Der Durchgang von der Via Cappello ist vollgekritzelt mit Liebesschwüren aller Art und Herkunft. Es ist zum Heulen, wie man dieses Gemäuer verunstaltet. In dem sehr kleinen Hof drängen sich Menschenmassen. Jeder will die in dem Innenhof aufgestellt Figur der Julia berühren. Einige ganz mutig Männer fassen ihr mit einem beschämten Grinsen sogar an die Bronzebrust. Oben erscheint Guilietta auf dem Balkon! Ach nein, es ist nur eine Touristin in Outdoorjacke und schwarzen Haaren und roter Strähne im Scheitel… Ich weiß, wo sie herkommt…Wir verschwinden wieder. In den Einkaufsstrassen tobt das Leben. Hier kann frau nach Herzenslust schoppen, Taschen, Schuhe, Brillen, alles was das Herz begehrt. Die gesamte italienische Mode liegt in den Auslagen bereit. Für Männer gibts auch was, Dessous für die Frau, vom Feinsten…
Für den Rückweg nach Peschiera nehmen wir wieder den Bus. Mittlerweile hat sich der Regen vom Morgen verzogen und wir fahren bei schönstem Sonnenschein durch die Landschaft.
Leider sind unsere Tage am Gardasee schon durchgezählt und am nächsten Abend geht es schon wieder mit dem Nachtzug nach Hause.

Heimfahrt

Noch einen letzten Blick auf den Gardasee, dann geht es los zum Packen. Zu unseren Sachen sind einige Mitbringsel hinzugekommen. In erster Linie Essbares. Salami, Schinken, Öl, Pesto, Käse, Kaffee, leckere Chips „Piu Gusto“, Wein und noch so einige Leckereien.

Dazu kommen noch ein paar Kleinigkeiten wie eine Butterdose aus Malcesine und eine schön bemalte Ölflasche. Zum Glück müssen wir beim Gepäck ja nicht so auf das Gewicht achten. Wir fahren Zug!

Dann stehen wir am Bahnhof in Peschiera und warten auf den Zug, der uns nonstop nach München bringen soll. Dieses Mal haben wir Liegewagen gebucht. In der Hoffnung, das es etwas gemütlicher wird als die Hinfahrt. Es sollte eigentlich ein 4er Abteil sein, war dann aber doch ein 6er geworden und alle Plätze waren belegt. Die Klimaanlage rumorte genauso heftig wie auf der Hinfahrt, die Fahrgeräusche wurden genauso ungefiltert ins Waggoninnere übertragen wie beim anderen Zug.

In Verona standen wir gut eine Stunde auf dem Bahnhof am Bahnsteig. Trotz zugezogenen Vorhangs schien die genau vor unserem Fenster stehende Laterne schön hell in unser Abteil. Aber irgendwann gings weiter. Nächster Halt Brennerpass. Ich konnte nicht schlafen und habe hinten im Zug gestanden und auf die sich von mir entfernde und im Dunkel verschwindende Landschaft geschaut. Der Zug windet sich hoch zum Brenner, dort angekommen eine Überraschung: Es liegen 5 cm Neuschnee! Vor 6 tagen standen wir hier noch im T-Shirt in der warmen Sonne. Jetzt friert es hier und alles ist weiß. Nach 20 Minuten Aufenthalt geht es mit neuer Lok München entgegen. An der deutsch-österichischen Grenze gab es noch einen Halt und etwas Aufregung im Zug. Ein ausländischer Fahrgast hatte sich vertan und war in den falschen Zug eingestiegen. Er irrte jetzt durch den Zug und suchte einen Sitzplatz, aber es gab keinen, da es sich um einen Zug nur mit Liegewagen handelt. Die bayerische Grenzpolizei konnte sich mangels eigener Englischkenntnisse nicht ausreichend verständigen, da der dunkelhäutige Mann ausser seinem Pass noch eine anderes Dokument vorzeigen sollte. Dies konnten ihm die Grenzer allerdings nicht vermitteln. Erst als er ihnen alle seine Papiere zeigte, konnte sich der Zoll selbst das Papier heraussuchen, das er sehen wollte. Eine kurze, äußerst knappe Entschuldigung ob des durchaus ruppigen Verhaltens der Grenzer, zu mehr konnten sie sich nicht durchringen, und dann konnte der Zug seine Fahrt fortsetzen. Es war halt Ende 2015 und viele waren schon ganz ordentlich hysterisch wegen der sogenannten Flüchtlinge die sich anschickten das Abendland zu überrollen.

Ich stand wieder hinten und schaute der entschwindenden Landschaft nach.

In München angekommen stiegen wir bei trüben Wetter in unseren ICE, der uns nach Hause bringen sollte.

Ich denke, wir werden wiederkommen!